Mit viel Feingefühl und einem tiefen Zugang zu Emotionen schafft Mag.art. Karin Angerer Kunstwerke, die berühren und zum Innehalten einladen. Ihre Arbeiten entstehen aus persönlichen Erfahrungen, zwischenmenschlichen Themen und einem intuitiven kreativen Prozess.
Im Interview erzählt sie, wie prägende Erlebnisse ihren Weg als Künstlerin beeinflusst haben, warum Gefühle im Mittelpunkt ihrer Kunst stehen und wie ihr Atelier zu einem Ort der Inspiration und kreativen Entfaltung geworden ist.
Mag.art. Karin Angerer im Interview
Was hat Sie dazu bewegt, den Weg als Künstlerin einzuschlagen und Ihre eigene kreative Ausdrucksform zu entwickeln?
Seit ich mich erinnern kann, war Kreativität ein ganz natürlicher Teil meines Lebens. Schon als Kind habe ich ständig gezeichnet und gemalt. Kunst war für mich nie nur ein Hobby, sondern immer ein Ort, an dem ich völlig eintauchen und mich frei ausdrücken konnte.
Durch einen Unfall im März 1999 wurde mir bewusst, wie wichtig es ist, nicht auf später zu warten, sondern das zu leben, was einen wirklich erfüllt. Deshalb habe ich damals entschieden, meiner Kreativität den Raum zu geben, den sie verdient, und als Künstlerin zu arbeiten.
Die eigene kreative Ausdrucksform entwickelt sich dabei ganz automatisch – durch Erfahrungen, Emotionen und das ständige Weiterentwickeln im kreativen Prozess.
Sie sagen, am Anfang steht die Emotion. Welche Rolle spielen Gefühle und persönliche Erlebnisse in Ihrem künstlerischen Schaffen?
Gefühle spielen in meiner Kunst eine zentrale Rolle. Bei fast allen Arbeiten steht am Anfang eine Emotion, eine Stimmung oder ein zwischenmenschliches Thema, das mich beschäftigt.
Dabei verarbeite ich nicht nur eigene Erlebnisse, sondern oft auch Geschichten und Erfahrungen, die Menschen mit mir teilen. Kunst ist für mich eine Möglichkeit, Dinge sichtbar zu machen, die man oft nur schwer in Worte fassen kann.
Beim kreativen Arbeiten entsteht dadurch eine Art eigene kleine Welt – ein Ort voller Ruhe, Fokus und Freiheit. Genau dieses völlige Eintauchen in den kreativen Prozess bedeutet für mich sehr viel.
Ihre Werke verbinden Vergangenheit, Gegenwart und zwischenmenschliche Aspekte. Wie entsteht diese Verbindung in Ihren Arbeiten?
Diese Verbindung entsteht bei mir meist sehr intuitiv. Während des Arbeitens entwickelt sich ein Bild Schritt für Schritt weiter. Erinnerungen, Gefühle, aktuelle Gedanken und zwischenmenschliche Erfahrungen fließen dabei ganz automatisch zusammen.
Vergangenheit und Gegenwart begegnen sich im kreativen Prozess oft gleichzeitig. Manche Eindrücke sind bewusst sichtbar, andere eher unterschwellig spürbar.
Dadurch entstehen Werke mit verschiedenen Ebenen und einer persönlichen Atmosphäre, die nicht nur etwas zeigen, sondern auch etwas fühlen lassen sollen.
Mag.art. Karin Angerer: Ein Raum für Kreativität und Inspiration
Mit Ihrem neuen Atelier haben Sie einen eigenen Raum für Kunst geschaffen. Welche Bedeutung hat dieser Ort für Ihren kreativen Prozess?
Mein Atelier ist für mich viel mehr als nur ein Arbeitsplatz. Es ist ein Ort voller kreativer Energie und Inspiration.
Ich hatte zwar schon vorher ein Atelier in ähnlicher Größe, aber das neue Atelier hat durch die riesige Fensterfront und die fast fünf Meter hohe Raumhöhe eine ganz besondere Wirkung. Das viele Licht und die Offenheit geben mir unglaublich viel Freiheit beim Arbeiten.
Diese Atmosphäre beeinflusst meinen kreativen Prozess sehr stark. Ich arbeite dort intuitiver, freier und oft noch kreativer. Gleichzeitig war es mir wichtig, auch für andere Menschen einen Ort zu schaffen, an dem sie den Alltag loslassen und völlig in Kreativität eintauchen können.
Neben Ihrer eigenen Kunst bieten Sie auch Malkurse an. Was möchten Sie Menschen durch das kreative Arbeiten näherbringen?
Mit meinen Malkursen möchte ich Menschen vor allem zeigen, dass Kreativität in jedem Menschen steckt. Viele glauben anfangs, sie seien nicht kreativ oder könnten nicht malen. Genau diese Unsicherheit möchte ich ihnen nehmen.
Mir ist wichtig, einen wertfreien Raum zu schaffen, in dem Menschen ohne Druck ausprobieren und ihren eigenen kreativen Ausdruck entdecken dürfen.
Gleichzeitig möchte ich den Teilnehmerinnen und Teilnehmern auch das Gefühl geben, wirklich etwas zu lernen und am Ende mit einem Bild nach Hause zu gehen, auf das sie stolz sind. Kunst soll Freude machen, stärken und Menschen positiv überraschen, was alles in ihnen steckt.
Gibt es ein Werk oder einen Moment in Ihrer künstlerischen Laufbahn, der für Sie besonders prägend war?
Es gibt immer wieder einzelne Werke oder kreative Phasen, bei denen ich das Gefühl habe, einen neuen Schritt gemacht zu haben – sei es technisch, emotional oder in meinem künstlerischen Ausdruck. Trotzdem sehe ich meine Entwicklung nicht als eine Reihe großer Wendepunkte, sondern als einen kontinuierlichen Prozess, der sich ständig weiterentwickelt.
Wenn ich jedoch einen besonders prägenden Moment nennen müsste, dann war es ein Unfall, der meinen Blick auf das Leben verändert hat. In dieser Zeit wurde mir bewusst, wie wichtig es ist, Dinge nicht auf später zu verschieben.
Ich habe erkannt, dass ich meine Leidenschaft für die Kunst nicht nur nebenbei ausleben möchte, sondern ihr den Platz geben will, den sie in meinem Leben verdient.
Diese Erfahrung hat mich bestärkt, meinen Weg als Künstlerin konsequent zu gehen. Rückblickend war das wahrscheinlich einer der wichtigsten Schritte meiner Laufbahn. Da habe ich begonnen, die Kunst noch bewusster und selbstverständlicher als Mittelpunkt meines Lebens zu sehen.
Bis heute empfinde ich meine künstlerische Entwicklung als etwas Lebendiges. Jede Arbeit, jede Begegnung und jede neue Erfahrung fließt ein und eröffnet wieder neue Möglichkeiten. Genau das macht Kunst für mich so spannend – man lernt nie aus und entwickelt sich ständig weiter.




