Anton Winzer versteht Kunst als Einladung, gewohnte Sichtweisen zu hinterfragen und neue Perspektiven zu entdecken. In seinen digitalen Arbeiten und Gemälden setzt er sich mit Vergänglichkeit, Veränderung und der Auflösung scheinbar fester Grenzen auseinander.
Geprägt von persönlichen Erfahrungen und den Einflüssen großer Künstlerpersönlichkeiten hat er über Jahrzehnte eine unverwechselbare Bildsprache entwickelt. Im Interview spricht er über kreative Freiheit, Intuition und die Frage, wie Kunst unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit verändern kann.
Interview mit Anton Winzer
Was hat Sie dazu bewegt, Ihren künstlerischen Weg einzuschlagen und Ihre eigene Bildsprache zu entwickeln?
Schon in der Volksschule, in Liefering I, hat meine Lehrerin Wanda STELZER meine Begabung im musischen Bereich erkannt und meine Eltern dazu gedrängt mich im Werkschulheim Felbertal, in Ebenau, anzumelden.
Dort wurde ich vom Maler Professor Herbert STEIJSKAL sehr gefördert. Er bot mir 1972 an, als Direktoriumsmitglied der Sommerakademie der bildenden Künste, zur Teilnahme ein Stipendium zu verschaffen. Dies ist jedoch an der Zustimmung meiner Eltern gescheitert, die in mir einen Ingenieur sahen und keinen Künstler.
Meine eigene Bildsprache hat sich über die Jahre hin entwickelt. Besonders wichtig dazu war 1979 ein längerer Aufenthalt in einer Künstler-WG in La Gomera, Kanarische Inseln. Dort wurde ich mit den Werken von Miro, Mondrian und Picasso intensiv konfrontiert.
Ihre Arbeiten wirken sehr ausdrucksstark und persönlich – was möchten Sie mit Ihrer Kunst vermitteln?
In meinen Arbeiten setze ich mich meist mit dem Thema der Vergänglichkeit und der Auflösung auseinander. Dies betrifft ja nicht nur die physische Natur, sondern beinhaltet auch die Betrachtungsweise, den Blickwinkel und die persönliche Einstellung.
Besonders gut kann ich dies in meiner digitalen Kunst darstellen. Dabei verwandelt sich ein ‚normales‘ Foto in eine völlig andere Sichtweise. Oft ist meine Arbeit auch geprägt durch den Einfluss der Destijl-Schule von Anfang des letzten Jahrhunderts.
Durch den Einsatz von Primärfarben setze ich mich auch oft mit der Farblehre von Johannes Itten auseinander, deren Starrheit für mich nicht nachvollziehbar ist und die ich sprengen will. Kunst ist für mich Grenzen zu erweitern und ja, auch niederzureißen.
Welche Rolle spielen Emotionen, Intuition und persönliche Erfahrungen in Ihrem kreativen Prozess?
Alles das ist die Grundlage meiner Arbeit und, wie ich meine, auch die der meisten Künstler. Der Moment, der auf all dem beruht, ist die Basis jedes kreativen Schaffens.
Anton Winzer: Wenn aus Zufällen Kunst entsteht
Wie entsteht bei Ihnen ein neues Werk – von der ersten Idee bis zum fertigen Bild?
Hier gilt es, zwischen meiner digitalen und malerischen Arbeit, zu unterscheiden. Vor mehr als 10 Jahren habe ich ‚zufällige‘ oder auch ‚schlechte‘ Fotos genommen und durch digitale Bearbeitung versucht ihnen einen anderen Ausdruck zu verschaffen.
Das brachte mir auch 2016 eine Einladung einer Galerie in Shoreditch, London, zu, Thema ‚PHOTOGRAPHY NOW‘ ein.
In meiner malerischen Arbeit steht einfach nur die weiße Leinwand am Beginn und alles was darauf entsteht, ist Ausdruck von Spontanität im Moment. Ohne zu denken. Das ist ein krasser Gegensatz zu früher, wo ich vorgezeichnet habe und danach gemalt habe. Wenn man so will bin ich jetzt befreiter in meiner Arbeit.
Kunst kann unterschiedliche Reaktionen auslösen – wie erleben Sie die Wirkung Ihrer Arbeiten auf Betrachter:innen?
Durch mein Instagram-Profil, seit 2016, bin ich mittlerweile weltweit bekannt.
Zur Zeit habe ich auf IG ca. 7000 Follower. Sehr viele davon sind auch Künstler. Meine digitalen Arbeiten und Gemälde sind in Privatsammlungen in Taiwan, USA, Polen, Niederlande, Malaysia, Deutschland und Österreich zu finden.
Diese Reaktion spricht doch für etwas sehr Positives. Und wie bei Allem, man kann es sicher nicht jedem/jeder recht machen. Dies ist auch nicht der Anspruch, oder letztendlicher Sinn von Kunst. Kunst soll natürlich zur Auseinandersetzung und zum kritischen Hinterfragen anregen.
Gibt es ein Werk oder einen Moment in Ihrer Laufbahn, der für Sie besonders prägend war?
Prägend sind viele aufeinander folgende Momente oder auch verschiedene Werke unterschiedlicher Künstler. Wie oben schon angeführt war sicher ein entscheidender Moment 1979 die tagtägliche Auseinandersetzung mit Künstlerkollegen in einer Künstler-WG auf La Gomera.
Wir haben da Kunst in jedem Augenblick gelebt/erlebt und auch an Kritik nicht gespart. Dies hat extrem zu meinem persönlichen kreativen Wachstum beigetragen.
Ein bestimmtes Werk gibt es für mich nicht, sondern vielmehr Einflüsse. Und zwar jene von Picasso, Miro, Mondrian, van Gogh und viele mehr! So wie ich mich auch selbst beschreibe: Ich bin kein einzelnes Instrument, ich bin ein Orchester!




