Seine Bilder erzählen leise, ehrliche Geschichten jenseits von Inszenierung und Perfektion. Im Interview spricht der Fotograf und Filmemacher Sébastien Ouvrard über seinen erzählerischen Zugang zu Fotografie und Film, geprägt von kultureller Vielfalt und feinem Beobachten. Er erklärt, warum Hochzeiten für ihn kein klassisches Auftragsformat sind, sondern emotionale Ausnahmezustände voller Nähe und Vertrauen.
Außerdem gibt er Einblick in seine zurückhaltende Arbeitsweise und zeigt, weshalb authentische Erinnerungen mit den Jahren immer wertvoller werden und nachhaltig das Leben der Paare begleiten.
Sébastien Ouvrard im Interview

Foto Credits: Ernest Stierschneider
Was hat Sie ursprünglich dazu bewegt, mit Film und Fotografie zu arbeiten – und wie hat sich daraus Ihr heutiger Schwerpunkt entwickelt?
Mein Zugang zu Fotografie und Film war nie rein technisch, sondern immer erzählerisch. Mich hat von Anfang an fasziniert, dass man mit Bildern nicht nur zeigen kann, wie etwas aussieht, sondern wie es sich angefühlt hat.
Aufgewachsen zwischen unterschiedlichen Kulturen und Sprachen habe ich früh gelernt, genau hinzusehen, Zwischentöne wahrzunehmen und Geschichten zu lesen, die nicht laut erzählt werden. Fotografie wurde für mich zu einer Möglichkeit, diese leisen Momente sichtbar zu machen.
Beruflich führte mich mein Weg zunächst in unterschiedliche fotografische Bereiche – von Werbe- und Hotelfotografie bis hin zu Reportagen. Der Schwerpunkt Hochzeit hat sich dabei fast organisch ergeben. Ich habe gemerkt, dass mich genau diese Mischung aus Nähe, Vertrauen und Echtheit am meisten erfüllt.
Hochzeiten sind keine inszenierten Ereignisse, sondern echte Tage mit echten Emotionen – und genau das ist mein Terrain.
Salzburg mit seiner besonderen Mischung aus Natur, Geschichte und Intimität bietet dafür eine Kulisse, in der genau diese echten Momente besonders spürbar werden.
Sie begleiten Menschen oft an sehr besonderen Tagen, vor allem bei Hochzeiten. Was fasziniert Sie daran, echte Momente und Emotionen festzuhalten?
Hochzeiten sind Ausnahmetage. Nicht, weil alles perfekt ist – sondern weil alles echt ist.
Menschen sind an diesem Tag offener, verletzlicher, ehrlicher. Es geht um Liebe, Familie, Abschied, Neubeginn. Diese emotionale Dichte gibt es kaum in einem anderen fotografischen Bereich.
Mich fasziniert besonders, dass viele der wichtigsten Momente ganz leise passieren: ein kurzer Blick zwischen zwei Menschen, eine Hand, die nervös nach der anderen greift, ein Lächeln, das mehr sagt als jedes Gelübde.
Meine Aufgabe sehe ich darin, genau diese Augenblicke zu erkennen – und festzuhalten, ohne sie zu stören.
Worin unterscheidet sich Ihre Arbeitsweise bei Hochzeiten von anderen Film- oder Fotoprojekten, etwa im Unternehmens- oder Eventbereich?
Der größte Unterschied ist die Haltung.
Bei Hochzeiten arbeite ich nicht als externer Dienstleister, sondern als stiller Begleiter. Ich greife nicht ein, ich lenke nicht – ich beobachte. Der Tag gehört dem Paar, nicht der Kamera.
Im Unternehmens- oder Eventbereich ist Planung, Struktur und Kontrolle essenziell. Bei Hochzeiten braucht es dagegen vor allem Empathie, Flexibilität und Intuition. Man kann nichts wiederholen, nichts „nachstellen“.
Alles passiert genau einmal – und genau das macht es so anspruchsvoll wie wertvoll.
Für mich steht nicht die perfekte Inszenierung im Vordergrund, sondern die ehrliche Geschichte eines Tages.
Sébastien Ouvrard: Warum echte Bilder mit Vertrauen beginnen

Foto Credits: Ernest Stierschneider
Ihre Arbeiten wirken sehr persönlich und authentisch. Wie schaffen Sie es, dass sich Menschen vor der Kamera wohlfühlen und ganz sie selbst sein können?
Der wichtigste Punkt: Ich beginne nicht mit der Kamera, sondern mit dem Menschen.
Ich nehme mir Zeit für Gespräche, höre zu, stelle Fragen – und vor allem: ich nehme Druck raus. Viele Paare kommen mit der Sorge, „nicht fotogen“ zu sein. Meine Antwort ist immer dieselbe: Man muss nicht fotogen sein, man muss sich wohlfühlen.
Am Hochzeitstag selbst arbeite ich sehr zurückhaltend. Keine ständigen Anweisungen, kein Posing-Marathon. Stattdessen schaffe ich Raum, in dem sich Dinge entwickeln dürfen.
Wenn Menschen vergessen, dass sie fotografiert werden, entstehen die ehrlichsten Bilder.
Welche Leistungen und Angebote decken Sie heute ab – und wie finden Paare oder Kund:innen heraus, welches Format am besten zu ihnen passt?
Mein Schwerpunkt liegt klar auf Hochzeitsreportagen – vom kleinen, intimen Standesamt bis zur ganztägigen Begleitung. Ergänzend dazu biete ich auch Paarshootings, Elopements und ausgewählte Filmprojekte an.
Wichtig ist mir, dass kein Paket „von der Stange“ gebucht wird. Jede Hochzeit ist anders, jedes Paar hat andere Wünsche.
Deshalb beginne ich jede Zusammenarbeit mit einem persönlichen Gespräch. Gemeinsam klären wir, was wirklich wichtig ist: Nähe oder Distanz, dokumentarisch oder leicht geführt, wenige Stunden oder eine umfassende Reportage.
Auf meiner Website finden Paare viele echte Hochzeitsgeschichten – nicht als Showroom, sondern als ehrlichen Einblick, wie ich arbeite.
Gibt es ein Projekt oder eine Rückmeldung, die Ihnen besonders gezeigt hat, wie wertvoll Film und Fotografie als Erinnerung und Geschichte sein können?
Eine Rückmeldung ist mir besonders im Gedächtnis geblieben:
Ein Paar schrieb mir einige Monate nach der Hochzeit, dass sie sich die Bilder erst nach einer sehr schwierigen familiären Zeit wieder angesehen haben – und dabei gemerkt haben, wie viel Halt und Kraft diese Erinnerungen geben können.
In solchen Momenten wird klar: Hochzeitsfotografie ist kein Luxusprodukt. Sie ist ein emotionales Archiv.
Bilder werden mit der Zeit nicht weniger wertvoll – sie werden bedeutender.
Über Sébastien Ouvrard:
Sébastien Ouvrard ist Hochzeitsfotograf mit internationalem Hintergrund und Sitz in Salzburg.
Seine Arbeiten zeichnen sich durch eine ruhige, dokumentarische Bildsprache und einen starken Fokus auf echte Emotionen aus. Er begleitet Hochzeiten in Salzburg, ganz Österreich und darüber hinaus.


