Interviews

Josef Vitzthum: Lebensmomente authentisch für die Ewigkeit festhalten

Was als persönliche Leidenschaft begann, entwickelte sich für Josef Vitzthum über Jahrzehnte hinweg zu einer tief verwurzelten Berufung. Als Lebensfotograf hält er echte, ungestellte Momente fest und begleitet Menschen bei den wichtigsten Stationen ihres Lebens.

Im Interview spricht er über die Bedeutung von Natürlichkeit, Vertrauen und Geduld in der Fotografie und erklärt, wie es gelingt, Emotionen so einzufangen, dass sie auch Jahre später noch berühren und lebendig wirken und Erinnerungen authentisch bewahrt bleiben.

Josef Vitzthum im Interview

Josef Vitzthum Interview

Was hat Sie dazu bewegt, den Weg als Lebensfotograf einzuschlagen – und was bedeutet dieser Begriff für Sie persönlich?

Meine Reise begann im Jahr 1983 mit einem ganz persönlichen Ereignis: der Geburt meiner Tochter. In mir wuchs der tiefe Wunsch, ihr Aufwachsen und die kostbaren Momente unserer Familie nicht nur flüchtig, sondern in echter Qualität festzuhalten.

Um das Handwerk von der Pike auf zu lernen, trat ich damals dem Fotoklub des Postsportvereins bei. Über 25 Jahre lang war die Fotografie meine große Leidenschaft als Hobby – ich fing alles ein, von weiten Landschaften bis zu privaten Augenblicken.

Ihr Portfolio reicht von Hochzeiten über Paar- und Familienshootings bis hin zu weiteren Lebensmomenten. Was verbindet all diese Bereiche in Ihrer Arbeit?

Das verbindende Element ist die Suche nach dem Unverfälschten.

Egal ob ich eine feierliche Hochzeit oder ein spielendes Kind fotografiere – ich suche immer nach der Natürlichkeit. In meiner Zeit als Landschaftsfotograf habe ich gelernt, auf das richtige Licht und den perfekten Moment zu warten.

Diese Geduld bringe ich heute in die Porträtfotografie ein. Mich reizt die Herausforderung, die Unbekümmertheit von Kindern oder die tiefe Verbindung eines Paares so festzuhalten, dass die Bilder auch nach Jahrzehnten noch lebendig wirken.

Hochzeiten sind besonders emotionale Ereignisse. Wie gelingt es Ihnen, echte Gefühle und natürliche Momente authentisch festzuhalten?

Der Schlüssel liegt in der Vorbereitung und dem gegenseitigen Vertrauen.

Vor jeder Hochzeit oder Taufe bespreche ich intensiv mit meinen Kund:innen, was ihnen wirklich wichtig ist.

Während der Zeremonie agiere ich oft als stiller Beobachter im Hintergrund, um die „Schnappschüsse“ – die unbewachten, ehrlichen Momente – einzufangen. Beim Brautpaar-Shooting hingegen gebe ich sanfte Unterstützung und klare Anweisungen.

So nehme ich dem Paar die Unsicherheit und schaffe einen Rahmen, in dem sie sich ganz auf sich selbst konzentrieren können, während ich die Ästhetik des Augenblicks gestalte.

Josef Vitzthum: Authentische Fotos durch die richtige Atmosphäre

Josef Vitzthum von den Lebensfotografen e.U.

Viele Menschen fühlen sich vor der Kamera unsicher. Wie schaffen Sie eine Atmosphäre, in der sich Ihre Kund:innen wohl und gesehen fühlen?

Hier hilft mir meine langjährige Erfahrung und die individuelle Anpassung an mein Gegenüber. Bei Erwachsenen ist es die Ruhe und das vorab geführte Gespräch. Bei Kindern gehe ich ganz anders vor: In der Krabbelstube bleibe ich meist unbemerkter Beobachter.

Ich spreche mich eng mit dem Personal über den Ablauf ab, um mich so in den Alltag zu integrieren, dass die Kleinen mich kaum wahrnehmen – so entstehen die besten, ungestörten Fotos. Im Kindergarten hingegen arbeite ich mit Neugier: Ich habe Utensilien dabei, die die Kinder interessieren und sie zum Mitmachen animieren.

Bei Schulfotos wiederum gebe ich gezielte Anweisungen, um in kurzer Zeit ein optimales Ergebnis zu erzielen, bei dem sich das Kind trotzdem gut getroffen fühlt.

Was ist Ihnen bei der Bildgestaltung besonders wichtig, damit Ihre Fotos auch Jahre später noch zeitlos wirken?

Zeitlosigkeit bedeutet für mich Beständigkeit und ein bewusster Umgang mit Technik.

Da ich die analoge Schule durchlaufen habe, lege ich Wert auf eine Bildsprache, die nicht kurzlebigen Filtern oder Trends hinterherläuft. Ein gutes Foto braucht eine klare Komposition und vor allem natürliches Licht.

Technisch setze ich den Blitz sehr gezielt ein: Je nach Situation fotografiere ich mit oder ohne Blitz, oft auch in Kombination. Dabei ist mir extrem wichtig, dass der Blitz immer dezent im Hintergrund bleibt.

Er dient nur zur Unterstützung der natürlichen Lichtstimmung, nicht dazu, sie zu dominieren. Wenn der Fokus auf dem echten Ausdruck liegt und das Licht die Szene sanft untermalt, altert das Bild nicht.

Können Sie von einem besonderen Shooting – ob Hochzeit oder anderer Anlass – erzählen, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ein Erlebnis, das mir besonders am Herzen liegt, begann eigentlich ganz klein – auf dem Halleiner Weihnachtsmarkt. Ich bot dort kurze Weihnachtsshootings an, und ein Paar kam zu mir für eine Serie von zwölf Aufnahmen. Nur eine Woche später standen die beiden wieder vor mir. Sie fragten mich direkt, ob ich auch ihre Hochzeit fotografieren würde.

Als ich sie im neuen Jahr zum Planungsgespräch traf, fragte ich sie, warum sie sich gerade für mich entschieden hatten. Ihre Antwort hat mich sehr berührt: Es war nicht nur das Ergebnis der Weihnachtsfotos, sondern vor allem die Art, wie ich während des kurzen Shootings am Markt mit ihnen kommuniziert hatte. Sie fühlten sich sofort wohl und verstanden.

Die Hochzeit selbst war dann ein absolutes Highlight meiner bisherigen Arbeit. Es war eine freie Trauung direkt an einem rauschenden Wasserfall – eine unglaublich kraftvolle und emotionale Kulisse.

Für die Brautpaarfotos sind wir anschließend auf eine Alm hinaufgefahren. Diese Verbindung aus der rauen Natur des Wasserfalls und der weiten, friedlichen Stimmung auf der Alm war magisch.

Dieses Shooting hat mir wieder einmal gezeigt, dass meine Arbeit weit vor dem ersten Klick der Kamera beginnt: Sie beginnt bei der menschlichen Verbindung. Dass aus einem kurzen Treffen am Weihnachtsmarkt eine so intensive Begleitung an einem der wichtigsten Tage ihres Lebens wurde, ist für mich das schönste Kompliment.

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