Interviews

Patrick Scherling: Kreative Bildwelten zwischen Technik und Emotion

Mit einem besonderen Gespür für Ästhetik und Strategie verbindet Patrick Scherling Fotografie mit Kreativität, Technik und Markenverständnis. Als Fotograf und Creative Director entwickelt er visuelle Konzepte, die Persönlichkeit und Wirkung authentisch transportieren.

Im Interview spricht er darüber, wie aus Ideen stimmige Bildwelten entstehen, warum Vertrauen im kreativen Prozess entscheidend ist und wie Bilder weit mehr sein können als nur Momentaufnahmen.

Interview mit Patrick Scherling

Patrick Scherling Interview

Was hat Sie dazu bewegt, den Schritt von der IT-Branche in die kreative Selbstständigkeit als Fotograf und Creative Director zu gehen?

Kreativität war eigentlich schon immer ein Teil meines Lebens oder besser gesagt unserer Familie. Schon als Kind kam ich durch meinen Vater mit Fotografie in Berührung. Er fotografiert selbst leidenschaftlich, hat den Schritt in die vollständige Selbstständigkeit allerdings nie wirklich gewagt.

Auch meine Schwester lebt ihre kreative Seite aus, sie schreibt als junge Autorin und ist künstlerisch sowie malerisch sehr talentiert und ich bin sehr stolz auf sie. Kreativität war bei uns zuhause immer präsent, nur in unterschiedlichen Formen.

Noch bevor ich beruflich in der IT tätig war, habe ich mich intensiv mit Webdesign, Grafikdesign und visueller Gestaltung beschäftigt. Die IT hat mir eine sehr strukturierte und analytische Denkweise vermittelt, gleichzeitig habe ich aber gemerkt, dass mir irgendwo der kreative Ausdruck gefehlt hat.

Da ich malersich nicht sehr begabt bin hat mir die Fotografie genau diesen Ausgleich gegeben. Sie verbindet für mich zwei Welten. Emotionale Kreativität und technische Präzision.
Genau diese Mischung hat mich von Anfang an fasziniert und tut es bis heute.

Bilder können Menschen emotional erreichen. Sie erzählen Geschichten, transportieren Stimmungen und geben eine Identität. Diese Verbindung aus Technik, Ästhetik und Emotion war letztlich der Auslöser dafür, meinen kreativen Weg intensiver zu verfolgen.

Der Schritt in die Selbstständigkeit war deshalb kein plötzlicher Bruch mit der IT, ich arbeite bis heute weiterhin als IT-Spezialist, sondern vielmehr eine Weiterentwicklung. Tatsächlich profitiere ich heute enorm von meinem technischen Background in der Planung, im strukturierten Arbeiten und auch im strategischen Denken hinter kreativen Projekten.

Fotografie ist für mich die Verbindung aus technischer Präzision und emotionalem Storytelling.

Sie verbinden Fotografie mit Know-how aus Grafikdesign, Marketing und Social Media – wie profitieren Ihre Kund:innen von diesem ganzheitlichen Ansatz?

Viele oder die meisten Menschen denken bei Fotografie zuerst einfach an „schöne Bilder“. Für mich geht es jedoch um deutlich mehr.

Durch mein Wissen in Grafikdesign und Branding betrachte ich Projekte nicht nur aus fotografischer Perspektive, sondern immer auch strategisch und auf lange Sicht. Ich denke automatisch an:

  • Wie wirkt ein Bild auf einer Website, einem Plakat, einer Wand oder einem Magazin?
  • Funktioniert es auch auf Social Media?
  • Passt die Bildsprache zur Marke, zur Person?
  • Welche Emotion soll transportiert werden?
  • Wie sticht man visuell hervor?

Dadurch entstehen nicht einfach nur einzelne gute Fotos, sondern ein konsistenter visueller Auftritt mit Wiedererkennungswert.

Gerade heute, in einer Zeit mit einer Überflutung an visuellen Reizen, entscheidet oft die Bildsprache darüber, ob Menschen Vertrauen aufbauen oder weiterscrollen.

Meine Kund:innen profitieren deshalb nicht nur von hochwertigen Bildern, sondern von einer visuellen Identität, die professionell, glaubwürdig und emotional wirkt. Ich versuche auch immer gleichzeitig eine Erinnerung mit den Bildern herzustellen, sodass diese auch Jahre später noch gerne betrachtet und genutzt werden.

Besonders für Online-Creator aller Art oder Personal Brands ist das enorm wichtig, weil Menschen heute nicht nur Produkte kaufen; Menschen kaufen Persönlichkeit, Atmosphäre, Wirkung und Authentizität.

Ihre Arbeit richtet sich stark an Persönlichkeiten, Coaches und Creator – wie entwickeln Sie gemeinsam eine Bildsprache, die Marke und Persönlichkeit authentisch widerspiegelt?

Der wichtigste Punkt ist für mich zunächst das Zuhören. Bevor überhaupt fotografiert wird, versuche ich zuerst den Menschen zu verstehen. Jeder von uns kennt diese Vertreter die einem etwas “aufschwatzen” wollen. Man bekommt ein ungutes Bauchgefühl und will einfahc nur weg.

Erst wenn man eine Person versteht, gelingt es Athentitzität zu vermitteln und somit vertaruen auf zu bauen worauf Menschen positiv reagieren.

Ich frage zum Beispiel:

  • Wofür steht die Person?
  • Welche Werte sind dieser Person wichtig?
  • Welche Stimmung soll vermittelt werden?
  • Wie möchte die Person überhaupt wahrgenommen werden?
  • Welche Zielgruppe soll erreicht werden?

Dabei geht es oft um weit mehr als Kleidung oder Locations. Es geht um Persönlichkeit, Ausstrahlung und Authentizität.

Gemeinsam entwickeln wir daraus eine visuelle Richtung: Farben, Lichtstimmung, Perspektiven, Umgebung und Bildkomposition müssen zur Person passen und ineinandergreifen. Manche Menschen brauchen eine ruhige und natürliche Bildsprache, andere etwas Dynamisches oder Cineastisches.

Authentizität entsteht für mich genau dort, wo Menschen sich selbst in den Bildern wiedererkennen, ohne das Gefühl zu haben, ihre eigene Persöhnlichkeit aufgeben zu müssen.

In gewisser Weise bin ich auch eine Art “Life-Coach” in diesem Prozess, Berate und gehe auch mein Gegenüber als Mensch ein.

„Die stärksten Bilder entstehen nicht dann, wenn Menschen perfekt wirken, sondern wenn sie echt wirken.“

Patrick Scherling: Die Natur als stärkste Inspirationsquelle

Patrick Scherling Fotograf & Kreativ-Direktor

Natur spielt für Sie eine wichtige Rolle als Inspirationsquelle – wie beeinflusst sie Ihre kreative Arbeit und Ihre Bildgestaltung?

Sehr stark. Ich bin grundsätzlich ein eher ruhiger und geerdeter Mensch, und es gibt nichts “echteres” und zeitloseres als die Natur. Die Natur erschafft beeindruckende Bilder, Atmosphären und Stimmungen, ohne es überhaupt zu wollen. Sie existiert einfach und wir haben den Luxus die beste Künstlerin und ihre Werke jeden Tag betrachten zu können.

Gerade deshalb inspiriert sie mich enorm.

Viele meiner Ideen entstehen tatsächlich draußen, beim Wandern, Reisen, beim Fahren mit dem Motorrad, an schönen Seen oder einfach beim bewussten Wahrnehmen meiner Umgebung.

Besonders Lichtstimmungen, Kontraste und natürliche Farben beeinflussen meine Bildgestaltung stark.

Ich bin außerdem der Meinung, dass natürliche Umgebungen Menschen oft authentischer wirken lassen. Outdoor-Shootings erzeugen häufig eine ganz andere Dynamik als klassische Studioaufnahmen, oft emotionaler, freier und lebendiger.

Wenn es jedoch um starke kreative Freiheit geht, dann tobe ich mich im Fotostudio aus, richte mir mein Setup genau so wie ich es haben möchte und muss mir keine Gedanken um Äußere Einflüsse machen, welche bei Outdoor-Shootings eine Herausforderung darstellen können.

Auch mein visueller Stil wird stark davon geprägt. Ich arbeite gerne mit Atmosphäre, Tiefe, natürlichen Farbtönen und cineastischen Elementen.

Ihre Shootings sind individuell und konzeptionell aufgebaut – wie entsteht aus einer Idee ein visuell stimmiges Gesamtbild?

Am Anfang steht immer die Idee oder die gewünschte Wirkung. Manche Kund:innen kommen bereits mit einer klaren Vision, andere nur mit einem Gefühl oder einer groben Richtung und mwieder andere wissen noch gar nicht genau, was sie eigentlich wollen. Genau dort beginnt für mich der kreative Prozess.

Immer gemeinsam entwickeln wir Schritt für Schritt ein Konzept:

  • Ideensammlung
  • Moodboards
  • Location Scouting
  • Styling
  • Farbkombinationen
  • Lichtstimmungen
  • Perspektiven
  • Bildwirkung

Ich versuche dabei immer, alle Elemente aufeinander abzustimmen, damit am Ende ein konsistentes Gesamtbild entsteht.

Für mich ist Fotografie nicht einfach nur das Drücken des Auslösers der Kamera. Es geht darum, bewusst Atmosphäre zu erschaffen und im besten Fall, Emotionen sichtbar zu machen.

Auch die Nachbearbeitung spielt dabei eine zentrale Rolle. Diese ermöglicht erst, den finalen Look und die gewünschte Stimmung so zu transportieren, wie man diese sich vorstellt. Dort entsteht erst die endgültige Verbindung zwischen der ursprünglichen Vision, einem Gedanken einer Idee und dem fertigen Bild.

Mein Ziel ist immer, dass sich jedes Foto wie ein Teil derselben visuellen Geschichte anfühlt.

Ein gutes Bild zeigt nicht nur, wie etwas aussieht, sondern wie es sich angefühlt hat.

Gibt es ein Projekt oder eine Zusammenarbeit, die Ihnen besonders gezeigt hat, welchen Einfluss professionelle Bilder auf die Sichtbarkeit und Wirkung einer Marke haben können?

Da gibt es genug gute Beispiele wenn man Google nutz weklche Wirkung professionelle Photo- und Videographie auf die Sichtbarkeit einer Makre haben kann 😉

Für mich geht es vielmehr um den Prozess dahinter. Es gab ein Projekt, das mir gezeigt hat, welchen Einfluss eine kreative Zusammenarbeit auf Menschen haben kann.

Eine junge Frau hatte mich 2025 kontaktiert. Schon in ihrer ersten Nachricht hab ich bemerkt, dass sie eher zurückhaltend und unsicher war. Deshalb habe ich ihr zunächst ein ganz entspanntes Kennenlernen angeboten, entweder draußen bei einem Kaffee oder online, wie und wo sie sich wohler fühlt.

Sie entschied sich für ein kurzes Zoom-Meeting. Eigentlich waren nur ein paar Minuten geplant, einfach um zu sehen, ob eine Basis für eine Zusammenarbeit da ist.

Es hat sofort funktioniert.

Ich habe ihr zunächst einfach erzählt, wer ich bin, wie ich arbeite und wie Shootings bei mir grundsätzlich ablaufen; damit sie ein Gefühl dafür bekommt, wie eine Zusammenarbeit mit mir aussieht. Ich habe ihr auch einige unveröffentlichte Aufnahmen gezeigt.

Bilder, die ganz spontan während eines Shootings entstehen, wenn Menschen gemeinsam lachen und einfach Spaß am Moment haben. Ich habe richtig gemerkt, wie sie zunehmend entspannter wurde.

Irgendwann begann sie dann, über ihre eigentliche Idee zu sprechen, etwas, das sie schon lange für sich selbst umsetzen wollte, bei dem sie aber selbst unsicher war, ob es überhaupt funktionieren könnte. Da es sich dabei um eine sehr persönliche Angelegenheit handelt, möchte ich nicht näher darauf eingehen.

Also begann ich, ihr ein paar Fragen zu stellen, um besser zu verstehen, wer sie als Mensch ist und was sie wirklich ausdrücken möchte.

Ich sagte ihr, dass ich ihre Idee grundsätzlich sehr spannend finde, manche Dinge aber etwas anders angehen würde, damit sie authentischer und stärker wirken. Ab diesem Moment entwickelte sich das gesamte Projekt unglaublich natürlich.

Sie brachte eigene Ideen ein, half aktiv beim Location-Scouting, bei Moodboards beim Styling, Outfits etc. und da fing es an nicht ein 0815 Kundenprojekt zu sein, sondern ein gemeinsamer kreativer Prozess der verwirklichtw erden will. (Ich habe das Privileg, dass ich mir flexibel aussuchen kann, mit wem ich arbeite und welche Projekte und Anfragen ich umsetzen möchte. Deshalb ist mir das erste Kennenlernen so unfassbar wichtig, da spüre ich bereits wo die Reise hingehen kann).

Wir hatten während des Shootings so viel Spaß, dass am Ende vermutlich mehr Behind-the-Scenes-Aufnahmen entstanden sind, auf denen wir herumgeblödelt haben, als eigentlich geplante Fotos.

Was mir aber bis heute besonders in Erinnerung geblieben ist, war ihr Feedback danach. Sie erzählte mir, dass viele Menschen in ihrem Umfeld ihr von dieser Idee abgeraten hatten. Ihr selbstwertgefühl hat dadurch gelitten und sie fand sich selbst nicht sonderlich hübsch.

Ich sei der Erste gewesen, der ihr wirklich zugehört habe, versucht habe zu verstehen, was sie ausdrücken möchte, und sie nicht einfach nur als „0815-Kundin“ gesehen habe, deren eigene Ideen kein Gehör finden.

Die Ironie dabei ist, dass ich mit ihr eine meiner besten und schönsten Fotografien erschaffen konnte.

Genau solche Momente zeigen mir immer wieder, dass gute Fotografie weit über schöne Bilder und Spontane Momentaufnahmen hinausgeht. Es geht darum, Menschen ernst zu nehmen, Vertrauen aufzubauen und gemeinsam etwas zu erschaffen, in dem sie sich selbst wiederfinden können.

Einen Auslöser an einer Kamera drücken kann jeder, aber worauf es wirklich ankommt, ist alles drumherum.

Die besten Projekte entstehen oft dann, wenn Menschen sich verstanden fühlen.

Über Patrick Scherling:

Ich bin jemand, der mit viel Ruhe und einem starken Sinn für Authentizität durchs Leben geht. Oberflächliche Dinge interessieren mich kaum, ich schätze echte Verbindungen, ehrliche Gespräche und Momente, die Bedeutung haben.

Gleichzeitig bin ich ein sehr reflektierter, analytischer und doch auch kreativer Mensch, der vieles wahrnimmt, was anderen oft entgeht, sei es in Emotionen, zwischenmenschlichen Dynamiken oder kleinen Details. Mich treibt vor allem der Wunsch an, mich ständig weiterzuentwickeln, ohne dabei jemals mich selbst zu verlieren.

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