Mit einem feinen Gespür für Zusammenhänge im Körper begleitet Katja Hofmann Menschen auf ihrem Weg zu mehr Beweglichkeit und Wohlbefinden. In ihrer Praxis in Bad Hofgastein setzt sie auf Ursachenforschung statt Symptombehandlung und nimmt sich bewusst Zeit für jede einzelne Person.
Im Interview spricht sie darüber, warum der Körper als Einheit betrachtet werden muss und wie es gelingt, Schmerzen nachhaltig zu lösen und die Selbstheilungskräfte zu aktivieren.
Katja Hofmann im Interview
Was hat Sie dazu bewegt, sich auf Osteopathie zu spezialisieren und Ihre Praxis in Bad Hofgastein zu eröffnen?
Als junge Physiotherapeutin stieß ich immer wieder an einen Punkt, an dem ich mich fragte: ‚Warum kehrt dieser Schmerz immer wieder zurück, obwohl ich die Muskulatur und die Gelenke lokal erfolgreich behandelt habe?‘
Die Osteopathie gab mir die Antworten, die mir in der klassischen Therapie oft fehlten. Ich lernte, dass der Körper eine untrennbare Einheit ist.
Ein umgeknickter Fuß vor zehn Jahren kann heute die Ursache für Nackenschmerzen sein und Spannungen in den Organen können die Beweglichkeit der Wirbelsäule einschränken. Dieser Detektivarbeit mit meinen Händen nachzugehen, hat mich so begeistert, dass die Spezialisierung der einzig logische Schritt war.
Die Entscheidung, meine eigene Praxis in Bad Hofgastein zu eröffnen, entsprang dem Wunsch nach Zeit und Individualität. Ich nehme mir oft eine Stunde Zeit für eine Behandlung. Das ist Luxus und Notwendigkeit zugleich, um den Menschen in seiner Gesamtheit wahrzunehmen.
Sie arbeiten mit einem starken Fokus auf Ursachenforschung – warum ist es so wichtig, Beschwerden ganzheitlich zu betrachten?
Wenn man einen Stein im Schuh hat, fängt man an zu hinken, um den Schmerz zu vermeiden. Nach drei Kilometern tut nicht nur der Fuß weh, sondern auch das Knie und die Hüfte. Man könnte jetzt das Knie massieren, aber solange man den Stein nicht aus dem Schuh nimmt, wird die Heilung nicht von Dauer sein. In der Osteopathie suche ich genau diesen ‚Stein‘.
Der Körper ist über Faszien, Nervenbahnen und den Blutkreislauf wie ein großes, komplexes Netz verbunden. Eine Blockade im Sprunggelenk kann die Statik des Beckens verändern, was wiederum zu einer Kompensation in der Halswirbelsäule führt, die am Ende Kopfschmerzen verursacht. Wenn ich nur den Kopf behandle, wird der Schmerz immer wieder kommen, weil der Fuß noch immer ’schief‘ steht.
Ganzheitlich bedeutet für mich aber auch, den Menschen hinter dem Befund zu sehen. Stress, Ernährungsgewohnheiten oder alte Verletzungen spielen eine enorme Rolle.
Ich behandle keine Rückenschmerzen, sondern einen Menschen, der Rückenschmerzen hat. Indem ich die Ursache finde und löse, aktiviere ich die Selbstheilungskräfte des Patienten. Das ist weitaus nachhaltiger, als nur kurzfristig ein Symptom zu unterdrücken.
Sie begleiten Menschen mit akuten und chronischen Schmerzen – mit welchen Themen kommen Patient:innen am häufigsten zu Ihnen?
Die Gründe, warum Menschen meine Praxis aufsuchen sind sehr vielfältig. Da ich sowohl akute als auch chronische Beschwerden behandle, sehe ich Patienten in ganz unterschiedlichen Lebensphasen.
Ganz oben stehen natürlich Rücken- und Nackenschmerzen. Oft sind es Patienten mit Bandscheibenvorfällen, Hexenschüssen oder chronischen Verspannungen, die durch langes Sitzen im Büro oder einseitige Belastung im Beruf entstehen. Auch Gelenkbeschwerden an Hüfte, Knie oder Schulter führen viele zu mir.
Ein großer Teil meiner Arbeit widmet sich Beschwerden, für die schulmedizinisch oft keine eindeutige strukturelle Ursache gefunden wurde. Dazu gehören wiederkehrende Kopfschmerzen und Migräne, Kiefergelenksprobleme (CMD) oft in Verbindung mit Zähneknirschen, Verdauungsbeschwerden oder ein Engegefühl im Brustkorb, die meist funktionell bedingt sind.
Ein weiteres Herzensprojekt ist die Begleitung von Frauen während und nach der Schwangerschaft sowie die Behandlung von Säuglingen und Kindern.
Was all diese Patienten eint ist die Suche nach einem Weg, die Signale ihres Körpers besser zu verstehen und die Bewegungsfreiheit zurückzugewinnen, die sie im Alltag einschränkt, als zu einer schnellen Tablette zu greifen!
Katja Hofmann: Schritt für Schritt zur nachhaltigen Heilung
Sie nehmen sich bewusst Zeit und arbeiten auch an komplexen Fällen – wie gehen Sie dabei vor, um nachhaltige Erfolge zu erzielen?
Zu Beginn steht das Zuhören. Ich betrachte nicht nur den aktuellen Schmerzpunkt, sondern die gesamte Biografie des Patienten – gab es früher Unfälle, Operationen oder hohe Belastungsphasen. Oft liegt die Ursache jahrelang zurück.
In der Behandlung arbeite ich mich Schicht für Schicht durch das Gewebe, von der Muskulatur über die Faszien bis hin zu den inneren Organen und dem Nervensystem. Bei komplexen Fällen ist es wichtig, dem Körper Zeit zu geben, die gesetzten Impulse zu verarbeiten.
Ich erzwinge keine Korrektur, sondern lenke den Körper, in seine natürliche Symmetrie zurückzufinden. Ich möchte meine Patienten dazu befähigen, wieder Experte für die eigene Gesundheit zu werden. Wahre Heilung ist ein Prozess, bei dem ich die Anschubhilfe leiste, den Weg gehen Körper und Patient dann gemeinsam.
Ihr regionales Netzwerk mit Ärzt:innen spielt eine wichtige Rolle – wie unterstützt die interdisziplinäre Zusammenarbeit Ihre Therapie?
Als Osteopathin betrachte ich den Körper zwar als Einheit, doch ich kenne auch die Grenzen meiner Disziplin. Mein regionales Netzwerk zu Hausärzten, Orthopäden, Zahnärzten oder Hebammen unterstützt meine Therapie.
Wenn ich während einer Behandlung Anzeichen sehe, die eine schulmedizinische Abklärung erfordern, etwa ein entzündlicher Prozess oder eine strukturelle Verletzung, ist es wichtig, den Patienten unkompliziert an einen Hausarzt oder Radiologen in der Nähe verweisen zu können.
Können Sie von einem besonderen Fall berichten, der gezeigt hat, welchen Unterschied Ihre Arbeit für das Wohlbefinden Ihrer Patient:innen machen kann?
Wenn Sie mich nach einem besonderen Fall fragen, dann muss ich sagen: Eigentlich sind es genau jene Fälle, die oft fälschlicherweise in die rein ‚psychosomatische‘ Schublade gesteckt werden, die mir am meisten am Herzen liegen. Ich liebe die Arbeit in diesem Bereich sehr, weil ich hier als Osteopathin oft einen entscheidenden Unterschied machen kann.
Diese Menschen sind oft wirklich arm dran. Sie leiden unter massiven, sehr realen Schmerzen, haben aber oft eine jahrelange Odyssee hinter sich. Die klassische Diagnostik wie MRT oder Röntgen kann hervorragend Strukturen sichtbar machen, aber natürlich keine Spannungszustände und somit werden diese Schmerzpatienten oft als, psychisch belastet´ eingestuft.
Das ist für die Betroffenen unglaublich frustrierend. Genau hier liegt meine Leidenschaft.
Ich spüre mit meinen Händen körperliche Blockaden auf, sei es ein verspanntes Zwerchfell, das die Atmung einschnürt, oder Spannungen in den Organhüllen, die diffuse Schmerzen auslösen.
Nur weil man eine Spannung nicht auf einem Foto sehen kann, heißt das nicht, dass sie nicht da ist. Zu sehen, wie diese Patienten wieder Lebensqualität gewinnen, ist für mich die schönste Bestätigung meiner Arbeit.
Über Katja Hofmann:
Mein Name ist Katja Hofmann. Ich bin seit nunmehr 30 Jahren als Therapeutin tätig und arbeite seit 18 Jahren erfolgreich als freiberufliche Osteopathin und Physiotherapeutin in Bad Hofgastein. Was mich jeden Tag antreibt, ist die Herausforderung für jedes individuelle Problem die passende Lösung zu finden – vom Säugling bis zum älteren Menschen!




