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Birgit Eder: Wenn Kommunikation verbindet und Konflikte zu Lösungen werden

Mit ihrer Initiative talk2gether begleitet Birgit Eder Menschen und Teams dabei, Konflikte zu klären und wieder in einen echten Dialog zu finden. Als Mediatorin und Coach schafft sie Räume, in denen Verständnis wachsen und nachhaltige Lösungen entstehen können.

Im Interview spricht sie darüber, wie Missverständnisse entstehen, warum wertschätzende Kommunikation so entscheidend ist und wie es gelingt, aus Spannungen wieder Vertrauen und Zusammenarbeit zu entwickeln.

Interview mit Birgit Eder

Birgit Eder Interview

Was hat Sie dazu bewegt, talk2gether zu gründen und Menschen sowie Teams im Bereich Kommunikation und Konfliktmanagement zu begleiten?

Ein Stück weit hat mich meine Zwillingsschwester dazu gebracht. Sie ist Rechtsanwältin, und ich habe einige Jahre in ihrer Kanzlei gearbeitet. Schon als Kinder waren unsere Rollen klar verteilt: Sie hatte meist die besseren, schlagenden Argumente, um ihre Ziele zu erreichen – und ich war oft diejenige, die vermittelt hat, wenn es Streit gab.

Nach vielen Jahren in der Dentalbranche und meiner Ausbildung zur Mediatorin hat sich für mich ein Weg ergeben, der beides verbindet. Heute arbeite ich häufig in Arztpraxen und begleite Teams in Fragen der Zusammenarbeit und Kommunikation – sowohl innerhalb des Teams als auch im Umgang mit Patientinnen und Patienten.

Gerade im Praxisalltag entsteht viel Druck, und dadurch kommt es schnell zu Missverständnissen. Ich erlebe immer wieder, wie leicht Konflikte entstehen können – selbst zwischen Menschen, die grundsätzlich gut zusammenarbeiten. Oft fehlt einfach der Raum oder die Zeit, Dinge offen anzusprechen.

Ungelöste Konflikte belasten Menschen – im Team, im Arbeitsalltag und manchmal auch persönlich. Gleichzeitig erlebe ich immer wieder, wie viel sich verändern kann, sobald Menschen wieder miteinander ins Gespräch kommen. Genau dieser Moment, wenn aus Spannung wieder Verständnis entsteht, ist für mich immer wieder besonders berührend.

Mit talk2gether möchte ich Menschen dabei unterstützen, wieder in einen echten Dialog zu kommen und gemeinsam Lösungen zu finden, die für alle tragfähig sind.

Sie sagen: „Wenn es zwischen Menschen knirscht – vermittle ich.“ Was sind die häufigsten Ursachen für Konflikte in Teams oder im Praxisalltag?

Die meisten Konflikte entstehen gar nicht durch große Ereignisse. Häufig sind es viele kleine Dinge, die sich über die Zeit ansammeln: Missverständnisse, unausgesprochene Erwartungen oder das Gefühl, nicht gehört zu werden.

Im Arbeitsalltag – besonders dort, wo unter Zeitdruck und Stress gearbeitet wird – bleibt oft wenig Raum für Gespräche. Themen werden aufgeschoben oder gar nicht angesprochen, weil niemand zusätzliche Spannung erzeugen möchte. Doch genau dadurch bauen sich Konflikte manchmal unbemerkt auf.

Hinzu kommt, dass Menschen sehr unterschiedlich arbeiten und kommunizieren. Was für die eine Person selbstverständlich ist, kann für eine andere irritierend sein. Wenn diese Unterschiede nicht sichtbar werden, entstehen schnell Fehlinterpretationen.

Wie gelingt es Ihnen, Spannungen frühzeitig zu erkennen und in einem geschützten Rahmen konstruktiv zu lösen?

Spannungen zeigen sich oft schon sehr früh – manchmal nur in kleinen Veränderungen: Gespräche werden kürzer, der Ton wird schärfer oder bestimmte Themen werden plötzlich vermieden. Für mich sind das wichtige Signale, genauer hinzuschauen.

In meiner Arbeit geht es zunächst darum, einen Raum zu schaffen, in dem Menschen wieder offen miteinander sprechen können.

Viele erleben es bereits als große Erleichterung, ihre Sichtweise einmal in Ruhe schildern zu dürfen und wirklich gehört zu werden.

Ein zentraler Bestandteil dabei ist das aktive Zuhören. Das ist nämlich gar nicht so selbstverständlich, wie man vielleicht denkt – vielen Menschen fällt es tatsächlich schwer. Deshalb fordere ich es in Gesprächen immer wieder bewusst ein. Zum Beispiel bitte ich eine Person, kurz zusammenzufassen, was sie gerade von der anderen gehört hat.

Genau in diesem Moment entstehen oft echte Aha-Erlebnisse. Nicht selten sagt dann jemand: „So hast du das nie gesagt“, während die andere Person überzeugt ist: „Doch, genau das habe ich immer gemeint.“ Solche Situationen zeigen sehr deutlich, wie schnell Missverständnisse entstehen können.

Als neutrale Begleiterin achte ich darauf, dass jede Perspektive Raum bekommt und wir gemeinsam hinter die eigentlichen Bedürfnisse schauen, die hinter einem Konflikt stehen. Wenn Menschen merken, dass ihre Anliegen ernst genommen werden und sie wirklich gehört werden, entsteht häufig wieder Bewegung – und plötzlich wird der Weg zu einer Lösung viel klarer.

Birgit Eder: Wertschätzende Kommunikation als Schlüssel für echte Veränderung

Birgit Eder talk2gether.at

Welche Rolle spielt wertschätzende Kommunikation in Ihrer Arbeit – und warum ist sie oft der Schlüssel für nachhaltige Veränderungen?

Wertschätzende Kommunikation ist für mich die Grundlage jeder guten Zusammenarbeit.

Sie bedeutet nicht, dass immer alles harmonisch sein muss – unterschiedliche Meinungen gehören dazu.

Doch die Art, wie wir miteinander sprechen, macht einen entscheidenden Unterschied. Wenn Menschen sich respektiert fühlen, entsteht automatisch mehr Offenheit für andere Perspektiven.

In meiner Arbeit sehe ich immer wieder, dass schon kleine Veränderungen viel bewirken können: aktives Zuhören, klar formulierte Erwartungen oder der Mut, Dinge frühzeitig anzusprechen.

Langfristig verändert sich dadurch nicht nur ein einzelner Konflikt, sondern oft auch die gesamte Kommunikationskultur eines Teams.

Sie bieten sowohl Mediation als auch Coaching an – worin unterscheiden sich diese Formate und wann ist welcher Ansatz sinnvoll?

Mediation kommt ins Spiel, wenn zwischen mehreren Personen bereits ein Konflikt entstanden ist. In diesem Prozess begleite ich die Beteiligten dabei, miteinander ins Gespräch zu kommen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.

Coaching richtet sich hingegen stärker an Einzelpersonen. Dabei geht es häufig um persönliche Fragen: Wie kann ich schwierige Gespräche führen? Wie gehe ich mit Konflikten im Team um? Oder wie kann ich meine Kommunikation klarer gestalten?

Beide Formate ergänzen sich sehr gut.

Während Mediation bestehende Konflikte klärt, unterstützt Coaching Menschen dabei, zukünftige Situationen bewusster und souveräner zu gestalten.

Können Sie von einem konkreten Beispiel berichten, bei dem Ihre Begleitung ein Team oder eine Zusammenarbeit nachhaltig verbessert hat?

Ein Beispiel, das mir besonders in Erinnerung geblieben ist, war die Begleitung einer Arztpraxis in einer Übergabephase vom Vater an die Tochter.

Die Tochter stand bereits in den Startlöchern – voller Ideen und Motivation, die Praxis weiterzuführen und auch einige moderne Veränderungen umzusetzen. Der Vater hingegen hatte die Praxis viele Jahre mit großem Engagement aufgebaut, und es fiel ihm verständlicherweise schwer, wirklich loszulassen.

Diese Situation sorgte nicht nur zwischen den beiden für Spannungen, sondern auch im Team. Viele Erwartungen waren unausgesprochen geblieben.

Einige Mitarbeiterinnen waren dem Vater sehr verbunden und wussten nicht genau, was die Veränderungen bedeuten würden. Gleichzeitig spürte die Tochter den Druck, sich zu beweisen und ihre eigenen Vorstellungen einzubringen. Dadurch entstanden Missverständnisse, verletzte Gefühle und Unsicherheiten.

Im Rahmen der Mediation hatten alle Beteiligten erstmals die Möglichkeit, ihre Perspektiven offen auszusprechen. Es wurde deutlich, dass hinter vielen Spannungen eigentlich Sorgen und Wünsche standen: der Wunsch des Vaters, sein Lebenswerk in guten Händen zu wissen, und der Wunsch der Tochter, ihren eigenen Weg gehen zu dürfen.

Schritt für Schritt entstand mehr Verständnis füreinander. Auch das Team konnte seine Gedanken und Fragen einbringen. Gemeinsam wurden neue Absprachen getroffen, Rollen klarer definiert und ein Weg gefunden, Tradition und neue Ideen miteinander zu verbinden.

Besonders schön war zu sehen, wie sich die Atmosphäre in der Praxis veränderte und sich eine gemeinsame Perspektive für die Zukunft entwickelte.

Über Birgit Eder:

Birgit Eder ist Mediatorin und Coach sowie Gründerin von talk2gether. Sie begleitet Menschen, Teams und Organisationen dabei, Konflikte konstruktiv zu lösen und eine wertschätzende Kommunikationskultur zu entwickeln.

Ihr Anliegen ist es, Räume zu schaffen, in denen Menschen wieder miteinander ins Gespräch kommen können – respektvoll, offen und auf Augenhöhe.

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