Die Wahl des richtigen Kraftstoffs an der Tankstelle wirft bei vielen Autofahrern regelmäßig Fragen auf. An fast jeder Zapfsäule in Deutschland stehen Autofahrer vor der Entscheidung zwischen verschiedenen Benzinsorten.
Die beiden am häufigsten genutzten Varianten werfen dabei oft die größten Fragen auf: Was ist der Unterschied Super und Super E10 und lohnt sich der Griff zur vermeintlich umweltfreundlicheren Alternative?
Sprit im Detail: Was tanken wir eigentlich?
Um den Kern der Sache zu verstehen, muss man einen Blick auf die Zusammensetzung der Kraftstoffe werfen. Der grundlegende Unterschied zwischen Super und Super E10 liegt nicht in der Qualität des Basisbenzins oder der Oktanzahl, sondern im Anteil des beigemischten Ethanols.
Beide Kraftstoffsorten verfügen über eine Oktanzahl von mindestens 95 ROZ (Research-Oktanzahl). Das bedeutet, dass sie in Bezug auf die Klopffestigkeit und die grundlegende Leistungsfähigkeit des Motors absolut identisch sind.
Die Abweichung liegt rein im Biokraftstoff-Anteil, der dem fossilen Benzin beigemischt wird, um die CO2-Bilanz des Verkehrsraums zu verbessern.
Was ist Super E10?
Hinter der Bezeichnung verbirgt sich ein Kraftstoff, der im Jahr 2011 auf dem deutschen Markt eingeführt wurde. Das „E“ steht hierbei für Ethanol, während die Zahl „10“ den maximalen Prozentsatz dieses Zusatzes angibt.
- Super E10 darf bis zu 10 % Bioethanol enthalten.
- Es wurde eingeführt, um den Verbrauch fossiler Energieträger zu senken und die EU-Vorgaben zur Reduzierung von Treibhausgasen im Verkehrssektor zu erfüllen.
- Das verwendete Ethanol wird aus nachwachsenden Rohstoffen wie Getreide oder Zuckerrüben gewonnen.
In der Praxis reizt der Kraftstoff diesen Maximalwert übrigens selten voll aus; meist liegt der tatsächliche Ethanolanteil im Sprit zwischen 7 % und 9 %.
Super E5: Der etablierte Standard
Das klassische Superbenzin, das an der Tankstelle oft einfach nur als „Super“ oder „Super 95“ deklariert wird, trägt offiziell die Bezeichnung Super E5.
- Dieser Kraftstoff enthält maximal 5 % Bioethanol.
- Er gilt seit Jahrzehnten als der Standardkraftstoff für Ottomotoren in Europa.
- Aufgrund des geringeren Ethanolanteils besitzt er eine geringfügig höhere Energiedichte als die E10-Variante.
Unterschied Super E5 und E10 und Super Plus
Neben den beiden Standard-Sorten mit 95 Oktan steht an den Zapfsäulen meist noch eine Premium-Variante zur Auswahl. Um die gesamte Palette der Ottokraftstoffe zu verstehen, hilft ein direkter Vergleich.
Was ist Super Plus?
Super Plus unterscheidet sich von den beiden anderen Sorten vor allem durch seine höhere Klopffestigkeit. Es besitzt eine Oktanzahl von mindestens 98 ROZ. Der Ethanolanteil liegt auch hier bei maximal 5 % (E5).
Durch die höhere Oktanzahl ist dieser Kraftstoff widerstandsfähiger gegen unkontrollierte Selbstentzündung im Zylinder, was vor allem bei leistungsstarken Motoren oder Turbomotoren von Bedeutung ist.
Die wesentlichen Unterschiede der drei Sorten im Überblick:
- Super E10: 95 ROZ, bis zu 10 % Ethanolanteil.
- Super E5: 95 ROZ, bis zu 5 % Ethanolanteil.
- Super Plus: Minimum 98 ROZ, bis zu 5 % Ethanolanteil.
Was ist besser zu tanken, E10 oder Super?
Die Frage, welcher Kraftstoff letztendlich die bessere Wahl ist, lässt sich nicht pauschal beantworten, sondern hängt von den individuellen Prioritäten des Autofahrers ab. Es gilt, wirtschaftliche, ökologische und technische Faktoren gegeneinander abzuwägen.
Wirtschaftliche Aspekte: Der Preisunterschied an der Zapfsäule
Der offensichtlichste Vorteil von Super E10 ist der Preis. An fast jeder Station ist dieser Kraftstoff pro Liter einige Cent günstiger als das herkömmliche Super E5.
Dieser Preisvorteil wird von den Mineralölgesellschaften bewusst gesteuert, um den Absatz des Biokraftstoffs zu fördern und Strafzahlungen wegen Nichterfüllung der Biokraftstoffquote zu vermeiden.
Der Verbrauchsfaktor: Energiedichte im Vergleich
Ethanol besitzt einen rund ein Drittel geringeren Energiegehalt als reines fossiles Benzin. Das bedeutet: Je mehr Ethanol im Kraftstoff enthalten ist, desto geringer ist die Energiedichte des gesamten Gemischs.
- Durch den höheren Ethanolanteil im E10-Kraftstoff steigt der theoretische Kraftstoffverbrauch leicht an.
- Untersuchungen, unter anderem vom ADAC, zeigen, dass dieser Mehrverbrauch in der Praxis bei etwa 1 % bis 1,5 % liegt.
- Rechnungsbeispiel: Bei einem Verbrauch von 7 Litern auf 100 Kilometern bedeutet das einen Mehrverbrauch von rund 0,07 bis 0,1 Litern. Solange der Preisunterschied an der Zapfsäule groß genug ist, spart man mit E10 trotz des minimalen Mehrverbrauchs in der Endabrechnung Geld.
Welche Autos dürfen kein E10 tanken?
Die größte Skepsis gegenüber dem Biokraftstoff betrifft die Verträglichkeit mit dem eigenen Fahrzeug. Nicht jedes Fahrzeug ist für den Betrieb mit einem höheren Ethanolanteil ausgelegt.
Generell gilt: Über 99 % aller in Deutschland zugelassenen Pkw mit Benzinmotor vertragen Super E10 problemlos. Alle Fahrzeuge, die ab dem Jahr 2012 gebaut wurden, sind herstellerseitig ausnahmslos für diesen Kraftstoff freigegeben.
Kritisch wird es primär bei älteren Fahrzeugen oder bestimmten Pionier-Modellen der Direkteinspritzung aus den frühen 2000er-Jahren. Ethanol hat zwei Eigenschaften, die älteren Motoren schaden können:
- Korrosion: Unter bestimmten Bedingungen kann Ethanol Aluminiumbauteile im Kraftstoffsystem angreifen (Ethanol-induzierte Lochkorrosion).
- Materialunverträglichkeit: Höhere Ethanolkonzentrationen können bestimmte Kunststoffe, Elastomere und Gummidichtungen im Kraftstoffkreislauf angreifen, verspröden lassen und so zu Undichtigkeiten führen.
Besitzer von Oldtimern, Youngtimern oder frühen Direkteinspritzern (wie etwa bestimmten FSI-Motoren der ersten Generation von Volkswagen oder CGI-Modellen von Mercedes-Benz) sollten vor dem ersten Super E10 tanken zwingend die Freigabe des Herstellers prüfen. Entsprechende Listen sind online beim Autoclub ADAC oder der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) einsehbar.
Was passiert, wenn man anstatt Super Super E10 tankt?
Häufig kommt es vor, dass Autofahrer aus Versehen zur falschen Zapfpistole greifen. Wenn Sie fälschlicherweise E10 getankt haben, hängt das weitere Vorgehen komplett von Ihrem Fahrzeugmodell ab.
- Bei einem e10-verträglichen Fahrzeug: Sie müssen absolut nichts unternehmen. Die Kraftstoffe vermischen sich problemlos im Tank. Das Fahrzeug wird keinerlei Leistungseinbußen oder Schäden davontragen. Sie können Ihre Fahrt ganz normal fortsetzen.
- Bei einem nicht e10-verträglichen Fahrzeug: Hier ist Vorsicht geboten. Haben Sie den Fehler direkt an der Zapfsäule bemerkt und den Motor noch nicht gestartet, sollten Sie den Motor auch ausgeschaltet lassen.
Wichtiger Hinweis: Wenn ein nicht freigegebenes Fahrzeug mit E10 getankt wurde, kann bereits eine einzige Tankfüllung bei Inbetriebnahme des Motors zu dauerhaften Schäden an Kraftstoffleitungen oder der Hochdruckpumpe führen.
In diesem Fall sollte die Werkstatt oder ein Pannendienst kontaktiert werden, um zu klären, ob der Tank leergepumpt werden muss. Wer den Fehler erst während der Fahrt bemerkt, sollte sofort anhalten und den Pannenservice rufen.
Die Praxis an der Zapfsäule: Mischen und Wechseln
Ein weit verbreiteter Mythos besagt, dass man sich einmal für eine Kraftstoffsorte entscheiden muss und die Sorten danach nicht mehr mischen darf. Das ist falsch. Super und Super E10 können in jedem beliebigen Verhältnis im Tank miteinander vermischt werden, vorausgesetzt, das Auto ist grundsätzlich für E10 freigegeben.
Wenn Sie also einmal an einer Tankstelle halten, an der E10 ausverkauft ist, können Sie bedenkenlos das herkömmliche e5-Benzin oder sogar Super Plus dazutanken. Das Motormanagement moderner Fahrzeuge stellt sich über die Lambdaregelung und den Klopfsensor innerhalb von Sekundenbruchteilen vollautomatisch auf das aktuelle Kraftstoffgemisch ein.
Fazit: Unterschied Super und Super E10 und die richtige Entscheidung für Ihren Pkw
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Unterschied super und super e10 primär im Detail der chemischen Zusammensetzung liegt, während die Leistungswerte im Alltag nahezu identisch ausfallen.
Für die überwältigende Mehrheit der Autofahrer bietet der E10-Kraftstoff eine einfache Möglichkeit, die Treibstoffkosten ohne technische Nachteile zu senken. Wer ein modernes Fahrzeug fährt, muss vor Langzeitschäden oder spürbarem Leistungsverlust keine Angst haben.
Lediglich Besitzer von klassischen Automobilen und spezifischen älteren Motorgenerationen müssen wachsam bleiben und gezielt auf die Varianten mit geringerem Ethanolanteil setzen.




