Interviews

Anita Schmid: Zurück in deine Kraft – durch Körper und Stimme

Mit „Herzberührt“ hat Anita Schmid einen Raum geschaffen, in dem Frauen zurück in ihre eigene Verbindung finden – über den Körper und über die Stimme. Ihre Arbeit vereint achtsame Körperarbeit mit Mantra-Praxis und schafft einen geschützten Rahmen für Ausdruck, Lebendigkeit und Selbstermächtigung.

Ob bei Zyklusthemen, Erschöpfung oder im Mantra Teacher Training: Im Mittelpunkt steht das Wieder-Spüren. Im Interview spricht Anita Schmid über Mut, Präsenz und die Kraft, die entsteht, wenn Frauen sich selbst wieder hören.

Anita Schmid im Interview

Anita Schmid Interview

Was hat Sie persönlich dazu bewegt, mit „Herzberührt“ einen Raum für Frauen zu schaffen – sowohl in der Körperarbeit als auch in der Mantra-Praxis?

„Herzberührt“ ist aus einem ganz einfachen Wunsch entstanden, Frauen einen Raum zu geben, in dem sie wieder anfangen zu spüren. Einen Ort, wo sie alles ablegen dürfen Rollen, Masken, Erwartungen. Wo sie nicht funktionieren müssen, sondern einfach sein können.

Ich habe sehr früh erlebt, wie schnell sich etwas verändert, wenn der Körper wieder gehört wird. Wenn Berührung nicht nur „Entspannung“ ist, sondern ein Nachhausekommen.

Viele Frauen sind sehr viel im Kopf und gleichzeitig innerlich erschöpft oder abgeschnitten.

In der Körperarbeit passiert oft etwas, das kaum Worte braucht: Der Körper wird wieder fühlbar. Und wenn er wieder fühlbar wird, entsteht Verbindung.

Für mich ist „Herzberührt“ wieder zurück in Verbindung zu kommen. Den Körper wieder spüren, ihn wieder lieb haben lernen, wieder bei sich ankommen.

Und dann ist da noch „Wild Voice“  meine Mantrakreise, Ausbildungen und Begleitungen. Dort geht es um Ausdruck. Um die eigene Stimme.

Ich möchte Frauen wieder eine Stimme geben.

Nicht im Sinne von „lauter um jeden Preis“, sondern wahrer. Und ja: Es geht dabei auch ganz stark um Lebensfreude. Um dieses Leuchten, wenn jemand merkt: „Da ist wieder mehr in mir.“ Mantra kann tief gehen und gleichzeitig unglaublich lebendig machen.

Sie begleiten Frauen bei Zyklus-, Kinderwunsch- oder Erschöpfungsthemen, warum führt der Weg zurück in die Kraft für Sie über den Körper?

Weil es über den Körper oft am schnellsten geht. Wenn der Körper wieder berührt wird, wird wieder gespürt. Und sobald wir wieder spüren, können wir wieder ehrlich hinlauschen: Was brauche ich wirklich?

Gerade bei Zyklus-, Kinderwunsch- oder Erschöpfungsthemen sind viele Frauen in einem Dauer-Spagat: Sie wollen „alles richtig machen“, sie halten so viel, sie denken so viel und gleichzeitig ist das System müde. Der Körper ist dabei wie ein Kompass. Er zeigt sehr klar, wo Druck, Stress, Anspannung oder alte Muster sitzen.

Wenn wir über Berührung, Atem und Regulation arbeiten, entsteht wieder Sicherheit. Und aus dieser Sicherheit kommt Kraft. Ich finde wir Frauen sind schon komplexe Wesen. Wir brauchen nicht jeden Tag das Gleiche. In jeder Zyklusphase und in jeder Lebensphase braucht es etwas anderes.

Wenn wir lernen, den Körper zu lesen, wird vieles klarer: Grenzen, Rhythmus, Entscheidungen und auch Mitgefühl mit sich selbst. Oft kommt mit dieser Rückverbindung etwas ganz Natürliches zurück, mehr Lebendigkeit, mehr Lust am Leben, mehr Lebensfreude.

Warum ist die Arbeit mit Stimme und Mantra für Sie ein so kraftvoller Weg zu innerer Verbindung?

Weil Stimme Selbstausdruck ist. Sich endlich wieder hören. Und ja: Wenn du singst, machst du dich verletzlich.
Viele Frauen kommen mit dem Glaubenssatz „Ich kann nicht singen“. Dahinter steckt oft etwas Tieferes: „Ich bin nicht gut genug.“ Genau da setzt meine Arbeit an.

Mantra wirkt auf eine ganz besondere Weise. Es beruhigt nicht nur, es bewegt etwas. Es ist wie ein Anker für den Geist und gleichzeitig eine Öffnung für den Körper.

Viele Frauen haben gelernt, leise zu sein, nicht zu stören, nicht zu viel Raum einnehmen, nicht auffallen.

Oft ist auch viel Scham da, sich zu zeigen.

In meinen Ausbildungen oder Workshops, dürfen sie sich wieder öffnen, dürfen Raum einnehmen, laut sein, singen, sich zeigen und sie werden mutiger in ihrer Präsenz, in ihrer Stimme, in ihrem Ausdruck.

Das sind so berührende Momente, wenn ich in die Augen meiner Teilnehmer*innen schaue und diese leuchten.  Da ist plötzlich Lachen, Wärme, eine spielerische Lebendigkeit.

Anita Schmid: Drei Formate, ein Ziel – Stimme und Präsenz entfalten

Anita Schmid Shiatsu I Yoga I Coaching

Wie unterscheiden sich Onlinekurs, Basic Workshop und Mantra Teacher Training in Tiefe und Wirkung?

Der Onlinekurs ist ein aufgezeichneter Kurs, in dem jede*r in ihrem Tempo verschiedene Mantras am Harmonium lernen kann.

Der Basic Workshop ist für Anfängerinnen, die das Harmonium wirklich kennenlernen und den Grundstein legen möchten. Hier bringe ich die Welt der Mantras nahe, viel gemeinsames Singen, Körperübungen, Wissensvermittlung und ganz viel Freude.

Wir tanzen auch, spüren die Verbindung der Gruppe und erleben oft zum ersten Mal: „Wow, ich kann das wirklich.“ Diese Mischung aus Tiefe und Lebensfreude ist mir wichtig, weil beides zusammengehört.

Das Mantra Teacher Training ist eine zertifizierte Ausbildung (Yoga Alliance / als Fortbildung für Yogalehrer*innen anrechenbar). Hier geht es deutlich tiefer: mehr Hintergrundwissen, Bedeutung der Mantras, Geschichten und Mythologie, komplexere Melodien und vor allem Verkörperung durch intensive Praxis.

Dazu kommen viele Übungen, um vor Menschen zu sprechen, Räume zu halten und diese besonderen „Gänsehaut-Momente“ bewusst zu gestalten. Das Training geht so tief, weil die Kraft der Mantras nicht nur verstanden, sondern wirklich geübt und verkörpert wird und weil Frauen dadurch lernen, Räume zu halten, die gleichzeitig sicher und lebendig sind.

Welche Entwicklung beobachten Sie bei Frauen, die im Mantra Teacher Training den Mut finden, sich hör-und sichtbar zu machen?

Ich erlebe Frauen, die mit Scham und Angst kommen. Die sich nicht trauen zu singen, die sich klein halten, die sich ständig fragen, was andere denken könnten.

Und dann passiert etwas: Es wird etwas offen. Der Mut wird größer. Sie finden ihren Selbstausdruck, ihre Stimme und dieses jahrelange Leisehalten ist plötzlich nicht mehr das, was sie bestimmt.Das sind unglaublich rührende Momente.

Ich spüre dabei selbst oft eine tiefe Dankbarkeit, diese Arbeit machen zu dürfen. Im sicheren Raum darf Entfaltung sein, ohne Bewertung, ohne Druck, Schritt für Schritt.

Und das Schönste: Es bleibt nicht im Training. Viele nehmen das mit ins Leben. Sie werden mutiger, sprechen Dinge an, setzen Grenzen, trauen sich, selbst Räume zu öffnen. Ich liebe diese Arbeit.

Welche Momente in Ihrer Arbeit zeigen Ihnen besonders deutlich, wie sehr Frauen aufblühen können?

Oft sind es kleine Momente  und genau die sind die größten. Wenn jahrelange Zurückhaltung oder Anspannung plötzlich abfließt. Wenn eine Frau zum ersten Mal spürt: „Ich bin sicher.“ Und dann kommt dieser Moment von Mut: „Jetzt trau ich mich.“

In Einzelsessions ist es manchmal dieser eine Atemzug, in dem etwas loslässt und Tränen dürfen einfach fließen, ohne dass sie bewertet werden.

Und in Trainings liebe ich die Augenblicke, wenn jemand zum ersten Mal die Stimme erhebt, erst zögerlich und danach strahlt. Wenn die Gruppe trägt. Wenn aus Unsicherheit Präsenz wird. Da zeigt sich für mich ganz klar: Wenn eine Frau Raum bekommt, sich zu öffnen, dann blüht sie auf. Nicht, weil sie „besser“ wird, sondern weil sie wieder sie selbst wird.

Über Anita Schmid:

Anita Schmid ist gebürtige Südtirolerin und lebt seit 2014 in Salzburg, heute am Attersee.
Seit 2017 begleitet sie Menschen in Entwicklungsprozessen, mit Shiatsu, Yoga, Life Coaching und Lebens- Sozialberaterin als Basis.
Als leidenschaftliche Mantra-Sängerin liebt sie es, Räume zu öffnen, in denen Frauen wieder bei sich ankommen, sich sicher fühlen und ihren Selbstausdruck entdecken, mit Tiefe, Wärme und Lebensfreude.

Hier noch ein Lied, was ich geschrieben habe

Website

Wie ist deine Reaktion?

Aufregend
1
Interessant
1
Liebe es
1
Unsicher
0

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Next Article:

0 %