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Ravneet Kaur: Zeitgenössischer Tanz als Raum für Entwicklung und Ausdruck

Zeitgenössischer Tanz eröffnet neue Perspektiven – künstlerisch ebenso wie persönlich. Ravneet Kaur prägt mit der SEAD in Salzburg einen Ort, an dem internationale Zusammenarbeit, kreative Freiheit und professionelle Ausbildung aufeinandertreffen. Studierende aus aller Welt entwickeln hier ihre individuelle künstlerische Sprache und wachsen in einer inspirierenden Gemeinschaft.

Im Interview spricht Ravneet Kaur darüber, warum Tanz weit mehr ist als Bewegung und wie er Menschen dabei unterstützt, Selbstvertrauen, Ausdruckskraft und Orientierung zu finden.

Ravneet Kaur im Interview

Ravneet Kaur Interview

Was war die ursprüngliche Vision hinter der Gründung von SEAD, und was macht die Akademie heute zu einem besonderen Ort für zeitgenössischen Tanz?

Meine Inspiration waren die großartigen Tanzausbildungszentren in New York City. Bevor ich nach Salzburg kam, tanzte ich professionell für die international renommierte Merce Cunningham Dance Company in Manhattan. Mit dieser Kompanie reisten wir um die ganze Welt und traten vor einem vielfältigen Publikum in den unterschiedlichsten Theatern auf.

Meine eigene tänzerische Ausbildung begann in einem Tanzzentrum in Boston, das weit mehr als nur professionellen Unterricht bot. Für mich war es in einer turbulenten Jugendzeit ein Ort der Ruhe und des Rückhalts.

Der Tanz hat mir geholfen, an mich selbst und meinen Körper zu glauben. Er gab mir als junge Frau Selbstvertrauen und die Überzeugung, vieles im Leben erreichen zu können.

Kunst hatte für mich schon immer eine besondere Anziehungskraft – sie verleiht dem Leben Sinn und Tiefe, sie verbindet Musik, Rhythmus und Seele.

Gerade der zeitgenössische Tanz eröffnet unzählige Möglichkeiten des persönlichen Ausdrucks. Er lässt die Zeit für einen Moment stillstehen und hilft dabei, auch in verwirrenden Zeiten Orientierung zu finden. Diese Überzeugung prägt SEAD bis heute.

SEAD vereint Ausbildung, künstlerische Entwicklung und internationale Zusammenarbeit. Warum ist diese Verbindung für angehende Tänzer und Choreograf so wertvoll?

Bei SEAD laden wir aktive Künstler ein, ihre Arbeitsweisen und Erfahrungen während der gesamten vierjährigen Ausbildung mit unseren Studierenden zu teilen.

Besonders wichtig ist uns dabei ein internationales Lehrendenteam, das unterschiedliche künstlerische Perspektiven und Ausdrucksformen zusammenbringt.

Für angehende Tänzer und Choreograf ist der direkte Kontakt zu Künstler, die aktuell in der internationalen Tanzszene arbeiten, von unschätzbarem Wert. Viele unserer Absolvent arbeiten nach ihrem Abschluss mit Choreograf zusammen, denen sie bereits während ihrer Ausbildung an der SEAD begegnet sind.

So entstehen wertvolle Netzwerke und oft auch langfristige künstlerische Kooperationen.

Studierende aus vielen verschiedenen Ländern kommen nach Salzburg. Wie bereichert diese internationale Vielfalt den kreativen Austausch an der Akademie?

Eine der schönsten und lebendigsten Seiten von SEAD ist die internationale Gemeinschaft.

Menschen aus unterschiedlichsten Kulturen kommen hier zusammen und schaffen einen Ort, an dem gegenseitiger Respekt und Offenheit selbstverständlich sind.

Da viele unterschiedliche Sprachen und Hintergründe aufeinandertreffen, lernen wir, besonders aufmerksam miteinander zu kommunizieren. Gerade diese zusätzliche Anstrengung, einander wirklich zu verstehen, bringt uns näher zusammen. Dadurch entsteht ein inspirierendes, lebendiges und oft auch unvorhersehbares Umfeld – herausfordernd, aber niemals langweilig.

Ravneet Kaur: Raum für den eigenen künstlerischen Ausdruck

Ravneet Kaur sead.at

Zeitgenössischer Tanz lebt von Kreativität und persönlichem Ausdruck. Wie unterstützen Sie Ihre Studierenden dabei, ihre eigene künstlerische Sprache zu entwickeln?

Unsere Studierenden erhalten bei SEAD zahlreiche Möglichkeiten, ihre eigene künstlerische Stimme zu entdecken und weiterzuentwickeln.

Dafür haben wir verschiedene Plattformen geschaffen, auf denen sie ihre Arbeiten regelmäßig präsentieren können.

Dazu gehören die wöchentlichen „Informal Showings“, bei denen Arbeiten in einem offenen, ungezwungenen Rahmen gezeigt werden, ebenso wie die monatlichen „Friday Showings“. Diese Formate bieten Raum zum Experimentieren, Ausprobieren und Wachsen – und fördern den individuellen künstlerischen Ausdruck.

Neben der professionellen Tanzausbildung bietet SEAD auch Kurse für Kinder, Jugendliche und Erwachsene an. Welche Bedeutung hat es für Sie, Tanz für alle zugänglich zu machen?

Es ist mir ein großes Anliegen, Tanz für alle Menschen zugänglich zu machen. Gerade diese Offenheit macht SEAD so besonders. Unsere Gemeinschaft vereint professionelle Tänzer, Anfänger, Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Alle erhalten die Möglichkeit, professionelle Tanzaufführungen zu erleben, ihre eigenen Fähigkeiten zu entdecken und weiterzuentwickeln oder einfach die inspirierende Atmosphäre einer internationalen künstlerischen Gemeinschaft zu genießen. Tanz sollte kein exklusiver Raum sein, sondern ein Ort der Begegnung und Teilhabe.

Gibt es ein besonderes Erlebnis oder eine 

Gibt es eine Geschichte eines Absolventen oder einer Absolventin, die die Wirkung der SEAD besonders gut zeigt?

Vor Kurzem habe ich mit einem Absolventen gesprochen, der im Jahr 2000 seinen Abschluss an der SEAD gemacht hat. Ich habe ihn eingeladen, ein Stück für unsere professionellen Studierenden zu choreografieren.

Heute tanzt er seit 25 Jahren in einer der renommiertesten zeitgenössischen Tanzkompanien der Welt und lebt in Brüssel. Er ist glücklich, inspiriert, erfolgreich – und ein wunderbarer Mensch.

Als Student war er jedoch oft verunsichert, orientierungslos und hatte große Sorgen um seine Zukunft. Wenn ich heute sehe, welchen Weg er gegangen ist, wird mir bewusst, wie sehr ihn seine Zeit an der SEAD gestärkt hat – nicht nur als Künstler, sondern auch als Mensch. Solche Entwicklungen berühren mich sehr.

Und er ist keineswegs ein Einzelfall, sondern einer von vielen Absolvent, deren Weg zeigt, welchen Unterschied diese Ausbildung machen kann.

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