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Lohnt sich die Vienna City Card oder zahlst du nur für ein gutes Gefühl?

Karlsplatz, U-Bahn-Station, kurz vor zehn. Ein Paar mittleren Alters steht vor dem Faltblatt-Ständer und hält vier verschiedene Prospekte in der Hand, auf denen jeweils in Großbuchstaben „VIENNA“ steht.

City Card. Pass. Flexi Pass. Und noch etwas, das „Welcome“ heißt. Die beiden diskutieren zehn Minuten lang, kaufen am Ende gar nichts und fahren mit einem stinknormalen Einzelticket zur Hofburg. Man kann ihnen das kaum verübeln. Wien hat es geschafft, aus dem simplen Prinzip „Rabattkarte für Touristen“ ein kleines bürokratisches Kunstwerk zu machen.

Wien hat nicht eine Karte für Touristen, sondern gleich vier

Das ist der erste Punkt, den kaum jemand vorher weiß: Wien verkauft nicht die eine Lösung, sondern ein ganzes Sortiment, das sich in Namen, Preis und Funktionsweise unterscheidet, aber alle irgendwie gleich klingen.

Die Vienna City Card ist die offizielle City Card der Stadt, herausgegeben vom Wien Tourismus, dem städtischen Tourismusbüro selbst – kein Drittanbieter, sondern das Original. Daneben gibt es den Vienna Pass, den Vienna Flexi Pass und die etwas günstigere Vienna Welcome Card.

Wer glaubt, das sei im Kern dasselbe Produkt mit anderem Etikett, verschätzt sich gewaltig. Sie vergleichen Preise, ohne zu wissen, dass sie völlig unterschiedliche Dinge vergleichen.

Lohnt sich die Vienna City Card und was kostet der Vienna Pass?

Lohnt sich die Vienna City Card und was kostet der Vienna Pass

Der Vienna Pass ist, grob gesagt, ein Türöffner. Wer ihn besitzt, zahlt an rund 70 bis 90 Sehenswürdigkeiten in Wien keinen Cent Eintritt mehr – Schloss Schönbrunn, Albertina, Riesenrad, Kunsthistorisches Museum, alles inklusive. Dazu kommt die unbegrenzte Nutzung der Hop-on-Hop-off-Busse während der gesamten Gültigkeit.

Der Pass rechnet in Kalendertagen, nicht in 24-Stunden-Blöcken, und er beginnt um Mitternacht zu laufen, sobald man ihn zum ersten Mal einsetzt. Wer ihn abends aktiviert, verschenkt bares Geld.

Ein Ein-Tages-Pass kostet um die 87 bis 98 Euro, ein Sechs-Tages-Pass rund 189 Euro – umgerechnet also gut 31,50 Euro pro Tag. Damit lohnt sich der Pass fast automatisch, wenn man länger bleibt, und wird bei kurzen Aufenthalten schnell zum teuren Wettrennen gegen die eigene Uhr.

Der Vienna Flexi Pass – für alle, die nicht rennen wollen

Wer sich dieses Hetzen ersparen will, findet im Vienna Flexi Pass die entspanntere Variante. Statt Zeit kauft man hier Attraktionen: zwei bis fünf Stück, frei wählbar, gültig für satte 60 Tage.

Die günstigste Ausführung mit zwei Attraktionen liegt bei etwa 47 Euro und enthält obendrein den Hop-on-Hop-off-Bus für 72 Stunden sowie eine Donau-Schifffahrt. Für ein verlängertes Wochenende, an dem man samstagvormittags ankommt und sonntagabends wieder abreist, ist das eine der wenigen wirklich unaufgeregten Optionen am Markt.

Der Unterschied zwischen Vienna City Card und Vienna Pass

Und hier liegt der Kern der ganzen Verwirrung. Die Vienna City Card ist im Grunde keine Sightseeing-Karte, sondern eine Mobilitätskarte mit Rabattfunktion. Sie schenkt keinen einzigen freien Eintritt.

Der Vienna Pass hingegen schenkt jede Menge freie Eintritte, aber standardmäßig keine einzige Fahrt mit U-Bahn, Bus oder Tram. Wer den Nahverkehr beim Pass trotzdem will, muss ihn gegen Aufpreis dazubuchen – und verliert dabei den großen Vorteil, alles auf einer digitalen Karte zu haben.

Was im Pass tatsächlich enthalten ist

Mit dem Vienna Pass zeigst du deine Karte am Einlass, gehst hinein, fertig – kein Ticketkauf, bei einigen Häusern sogar mit Fast-Track-Einlass an der Kassa vorbei.

Mit der Vienna City Card dagegen zahlst du weiterhin Eintritt, nur eben ermäßigt. Das ist ein fundamentaler Unterschied, den viele Vergleichsseiten in ihren Tabellen unterschlagen, weil er sich schlecht in eine hübsche Preisspalte pressen lässt.

Vienna City Card sparen: wo das Geld wirklich bleibt

Vienna City Card sparen wo das Geld wirklich bleibt

Die Vienna City Card selbst ist mit rund 17 Euro für 24 Stunden das günstigste Familienmitglied im ganzen Kartensortiment. Enthalten ist die freie Fahrt mit sämtlichen öffentlichen Verkehrsmitteln der Wiener Linien in der Kernzone, egal ob U-Bahn, Bus, Tram oder Nightline.

Dazu kommen Ermäßigungen bei mehr als 200 Partnerbetrieben – Museen, Restaurants, Shopping, Konzerte, Touren.

Ein Kind bis 15 Jahre fährt pro Erwachsenem gratis mit, ein Hund übrigens auch. Und die Karte gilt, unabhängig davon, für welche Fahrzeit man sich entscheidet, sieben Kalendertage lang für alle Rabatte.

Nebenbei ist sie, wenn man dem Wien Tourismus glauben darf, die weltweit erste umweltzertifizierte City Card – ein Detail, das auf keinem Flyer fehlt, aber kaum jemanden beim Kauf tatsächlich interessiert.

Vienna City Card: welche Ermäßigungen wirklich gelten

Wie groß die Ersparnis konkret ausfällt, schwankt brutal von Ort zu Ort. Beim Kunsthistorischen Museum war zuletzt gerade einmal ein Euro Rabatt drin, beim Kunst Haus Wien oder bei Madame Tussauds dagegen bis zu 30 Prozent. Bei Restaurants und Cafés unter den Partnerbetrieben gibt es oft pauschal 20 Prozent auf die Rechnung.

Wer die Karte also nur wegen eines einzigen Museumsbesuchs kauft, wird meistens enttäuscht. Wer sie über sieben Tage verteilt für Shopping, Kaffeehausbesuch, ein, zwei Sehenswürdigkeiten und die komplette Mobilität nutzt, kommt der Rechnung, die sich tatsächlich lohnt, deutlich näher.

Kurzer Realitätscheck an dieser Stelle: Die wenigsten waschechten Wiener würden sich je eine dieser Karten kaufen – warum auch, sie leben ja schon hier. Das ist auch keine Kritik am Produkt, sondern nur eine kleine Erinnerung daran, dass diese ganze Kartenwelt ausschließlich für Besucherinnen und Besucher konstruiert wurde, mit allem, was das an cleverer Preisarchitektur mit sich bringt.

Kannst du mit der Vienna City Card wirklich jede Sehenswürdigkeit abhaken – Spoiler: nein

Nein, kannst du nicht, und das ist auch gar nicht ihr Job. Wer an einem einzigen Tag in Wien möglichst viele teure Sehenswürdigkeiten ohne Wartezeit sehen will, ist mit dem Vienna Pass besser bedient, weil dort der Eintritt komplett wegfällt statt nur ermäßigt zu werden.

Wer dagegen mehrere Tage bleibt, ohnehin viel mit Öffis unterwegs ist, zwischendurch shoppen und essen geht und nur ein, zwei Highlights einplant, für den rechnet sich die Vienna City Card fast von selbst – allein schon, weil die reguläre Wochenkarte der Wiener Linien ohne die ganzen Zusatzrabatte kaum günstiger wäre.

Am Ende bleibt die Frage stehen, die am Faltblatt-Ständer am Karlsplatz eigentlich hätte gestellt werden müssen: nicht, welche Karte die beste ist, sondern wie viele Sehenswürdigkeiten man an einem einzigen Tag in Wien wirklich noch sehen will, bevor man selbst zur Attraktion für die eigene Erschöpfung wird.

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