Wirtschaft

Warum Paradeiser im Lungau später reif werden als in der Stadt Salzburg

Zwei Hobbygärtner kaufen im Frühjahr dasselbe Saatgut, ziehen die Pflänzchen am Fensterbrett vor und setzen sie nach den Eisheiligen ins Beet. Die eine wohnt in der Stadt Salzburg, der andere in Tamsweg. Im August erntet die Städterin bereits Körbe voller Paradeiser, während im Lungau die meisten Früchte noch grün an den Rispen hängen. Mit dem grünen Daumen hat dieser Unterschied wenig zu tun. Er steckt in der Höhenlage, im Frost und in ein paar Zahlen, die man im Land Salzburg ziemlich genau kennt.

Ein Bundesland mit mehreren Gartenklimas

GeoSphere Austria zählte 2024 an der Messstation Salzburg Freisaal 43 Frosttage. In St. Michael im Lungau waren es 142 und damit mehr als dreimal so viele. Wer vom Flachgau in den Lungau fährt, durchquert also gärtnerisch gesehen mehrere Klimazonen.

Der Lungau liegt fast vollständig über 1.000 Meter Seehöhe. Eine Studie zu den Folgen des Klimawandels in der Region gibt die Jahresmitteltemperatur in der Höhenstufe zwischen 1.000 und 1.200 Metern für die Jahre 1991 bis 2020 mit 6,2 Grad an. Die Vegetationsperiode ist dort im Vergleich zu den Jahrzehnten davor um rund zwölf Tage länger geworden. Trotzdem zählt man im April im Schnitt noch 14 Frosttage, und die Spätfrostgefahr bleibt deutlich höher als in tieferen Lagen. Für wärmeliebende Pflanzen wie Paradeiser, Paprika oder Gurken wird der Sommer dadurch spürbar kürzer. Unter etwa zehn Grad wachsen sie kaum weiter, und eine einzige Frostnacht kann junge Pflanzen kosten.

In der Stadt Salzburg sieht die Herausforderung anders aus. Freisaal verzeichnete 2024 knapp 1.600 Millimeter Niederschlag, und der berühmte Schnürlregen hält die Blätter oft tagelang nass. Genau diese Nässe braucht die Kraut- und Braunfäule, die Tomatenpflanzen im Hochsommer innerhalb weniger Tage befallen kann.

Was ein Dach aus Glas im Garten verändert

Ein Gewächshaus entschärft beide Probleme auf erstaunlich einfache Weise. Das Sonnenlicht dringt durch das Glas, erwärmt Boden und Luft, und die Wärme bleibt länger im Raum. Der Wind kühlt die Pflanzen nicht mehr aus, und der Regen erreicht die Blätter gar nicht erst. In klaren Frühlingsnächten, wenn der Boden seine Wärme in den Himmel abstrahlt, bleibt es unter Glas oft um ein paar Grad wärmer. Gegen strengen Frost hilft ein unbeheiztes Gewächshaus allein zwar wenig, aber leichte Nachtfröste im April und Mai verlieren viel von ihrem Schrecken. 

Wie man mit einer knappen Saison umgeht, weiß man in Skandinavien besonders gut. In Schweden dauert die Vegetationsperiode laut dem Wetterdienst SMHI im Südwesten fast acht Monate, an den höchstgelegenen Messstationen dagegen nur rund drei. Das Land kennt also ein ähnliches Gefälle wie Salzburg zwischen Flachgau und Lungau, allerdings über viel größere Entfernungen. Das Glashaus im Garten gehört dort seit Langem zum Alltag, und Anbieter wie Willabgarden bauen seit 1986 Gewächshäuser und Wintergärten für genau dieses Klima. Für Salzburger Gärten lohnt sich der Blick nach Norden, denn dort wird seit Jahrzehnten erprobt, wie sich ein kurzer Sommer bestmöglich nutzen lässt.

Wofür sich die gewonnenen Wochen lohnen

Wofür sich die gewonnenen Wochen lohnen

Im Frühjahr zeigt sich der Vorteil zuerst. Kopfsalat und Kohlrabi können im ungeheizten Gewächshaus laut der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau bereits Anfang März gepflanzt werden, lange bevor im Lungau an Beete im Freien zu denken ist. Paradeiser dürfen einige Wochen früher einziehen als im Freiland und haben dadurch mehr Zeit, ihre Früchte auszureifen. In höheren Lagen sind Sorten mit kurzer Reifezeit trotzdem die bessere Wahl. 

Ab Juni braucht das Gewächshaus vor allem frische Luft. Temperaturen über 25 Grad schaden Ertrag und Wachstum, deshalb gehören offene Fenster und Türen an sonnigen Tagen zur täglichen Routine.

Den Herbst unterschätzen viele. Während draußen die ersten Nachtfröste die Beete leeren, reifen unter Glas die letzten Paradeiser nach. Danach ist Platz für Feldsalat, Spinat oder Winterportulak, die kühle Temperaturen gut vertragen und bis in den Winter hinein frische Blätter liefern. Im Lungau beginnt das Gartenjahr dann schon im März und endet erst, wenn der erste Schnee auf dem Glasdach liegt.

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