Mit einem geschulten Blick für Licht, Stimmung und Bewegung hält Michael Kuschei die Schönheit alpiner Landschaften in eindrucksvollen Bildern und Videos fest. Seine Leidenschaft für die Natur und das Draußensein spiegelt sich in jeder Aufnahme wider.
Im Interview erzählt er, wie er vom Wandern zur professionellen Fotografie gefunden hat, welche Rolle neue Technologien spielen und wie es ihm gelingt, Regionen authentisch und emotional erlebbar zu machen.
Interview mit Michael Kuschei
Was hat Sie dazu bewegt, sich auf Outdoor-, Natur- und Tourismusfotografie zu spezialisieren?
Ich bin eigentlich über das Wandern zur Fotografie gekommen. Früher habe ich mir für meine Touren einfach die Kamera meines Vaters ausgeliehen, um die Erlebnisse festzuhalten. Mit 18 habe ich dann meine erste eigene Kamera bekommen, eine Lumix G1, und ab da hat sich das Ganze Schritt für Schritt weiterentwickelt.
Am Anfang war es rein für mich, um Erinnerungen festzuhalten.
Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass mir das Fotografieren genauso wichtig wird wie das Draußensein selbst.
Der Moment, wo daraus mehr als ein Hobby wurde, kam dann ziemlich unerwartet: Der Tourismusverein Hallein hat mich für erste bezahlte Aufträge angefragt. Da habe ich realisiert, dass meine Arbeit auch für andere einen Wert hat und ich das professionell machen kann.
Sie arbeiten in beeindruckenden alpinen Landschaften – was fasziniert Sie besonders daran, diese Momente festzuhalten?
Die Berge haben für mich eine ganz eigene Wirkung: Sie sind nie gleich, egal wie oft man an denselben Ort zurückkehrt. Licht, Wetter und Stimmung verändern alles ständig.
Genau das macht es so spannend.
Mich fasziniert vor allem dieses Zusammenspiel aus Landschaft und Moment. Es geht nicht nur darum, einen schönen Ort zu zeigen, sondern darum, die Stimmung einzufangen, die man dort tatsächlich erlebt. Dieses Gefühl von Weite, Ruhe oder auch Anstrengung beim Unterwegssein.
Gerade in den Alpen hat man oft diese extremen Kontraste ruhige Morgenstimmungen, dramatische Wetterwechsel oder warme Sonnenuntergänge. Diese Momente festzuhalten, wenn alles zusammenpasst, ist für mich das Besondere.
Ihr Angebot reicht von klassischer Fotografie bis zu Drohnen- und FPV-Aufnahmen – wie erweitern diese Technologien Ihre Arbeit?
Drohnen und vor allem FPV haben meine Arbeit nochmal stark erweitert. Klassische Fotografie zeigt oft Perspektiven, die man vom Boden aus kennt mit Drohnen kann man das Ganze aufbrechen und neue Blickwinkel schaffen.
Beim FPV kommt noch etwas anderes dazu die Dynamik. Es geht nicht nur um eine schöne Perspektive, sondern um Bewegung, Geschwindigkeit und fließende Übergänge. Man kann damit ganz anders erzählen und Orte erlebbar machen.
Für mich ist das aber kein Ersatz, sondern eine Ergänzung. Die Kombination aus klassischen Aufnahmen und dynamischen Perspektiven macht es am Ende aus.
Michael Kuschei: Emotionen sichtbar machen in Bild und Film
Welche Anforderungen stellen Kunden aus Tourismus und Hotellerie an Ihre Bilder und Videos?
Kunden aus Tourismus und Hotellerie wollen in erster Linie Emotionen transportieren. Es geht darum, dass sich jemand ein Bild anschaut oder ein Video sieht und sich denkt: „Da will ich hin.“
Neben der klassischen Darstellung von Landschaft oder Unterkunft geht es viel um Atmosphäre und Authentizität. Gleichzeitig merkt man aber auch, dass oft ein gewisser Anspruch an „perfekte“ Bilder da ist.
Die Herausforderung ist, genau diesen Spagat hinzubekommen Bilder zu liefern, die hochwertig und ansprechend sind, aber sich trotzdem echt anfühlen und nicht zu künstlich wirken.
Wie gelingt es Ihnen, die Atmosphäre und Einzigartigkeit einer Region authentisch einzufangen?
Das Wichtigste ist es, sich Zeit zu nehmen und die Region wirklich zu verstehen. Wenn ich einen Ort schon gut kenne, weiß ich ziemlich genau, worauf ich achten muss: Licht, Perspektiven, Tageszeiten.
Wenn ich neu irgendwo bin, nehme ich mir bewusst Zeit, um alles zu erkunden. Ich schaue mir an, wo die besten Spots sind und wann das Licht am besten passt.
Ich probiere generell viel aus, aber es gibt auch Momente, bei denen Geduld entscheidend ist vor allem bei Sonnenauf- und untergängen. Da heißt es oft früh aufstehen, warten und den richtigen Moment erwischen.
Für mich entsteht Authentizität genau daraus nicht alles zu inszenieren, sondern die echten Bedingungen zu nutzen und das Beste daraus zu machen.
Können Sie von einem Projekt berichten, das die Wirkung Ihrer Arbeit besonders eindrucksvoll gezeigt hat?
Ein Projekt, das mir besonders in Erinnerung geblieben ist, war ein Auftrag in der Region Schladming für Weitwanderwege.
Wir waren vier Tage und drei Nächte unterwegs, sind rund 70 Kilometer gewandert und haben in verschiedenen Hütten übernachtet.
Mit dabei waren zwei Models, meine Schwester und ihr langjähriger Partner, was das Ganze auch persönlich gemacht hat. Es ging darum, das Erlebnis des Weitwanderns so authentisch wie möglich darzustellen.
Die Bilder aus diesem Projekt gehören definitiv zu denen, auf die ich am meisten stolz bin.
Es ist weniger ein Projekt, das mir mehr Aufträge oder Anerkennung gebracht hat, sondern eines, das für mich persönlich viel bedeutet. Es verbindet genau das, was ich mache und was mir wichtig ist – Wandern und Fotografie auf einem hohen Niveau zusammenzubringen.
Über Michael Kuschel:
Ich bin ein abenteuerlustiger Mensch mit viel Energie und gleichzeitig einer ruhigen Art.
Ich handle oft spontan und mag es, Dinge einfach auf mich zukommen zu lassen, statt alles bis ins Detail zu planen.
In meiner Leidenschaft bin ich allerdings ein kleiner Perfektionist und wenn ich mich in einer Farbe beschreiben müsste, dann wäre ich wohl orange, wie der Sonnenaufgang.




