Aus eigener Erfahrung heraus entwickelte Claudia Edelmann mit der Mutsprungakademie einen Raum, in dem Kinder und Jugendliche lernen dürfen, sich selbst zu vertrauen und ihre innere Stärke zu entfalten.
In ihrer Arbeit verbindet sie Resilienztraining, Achtsamkeit und Yoga zu einem ganzheitlichen Ansatz. Im Interview spricht sie über die Herausforderungen, denen Kinder heute begegnen, und zeigt, wie Mut, Selbstbewusstsein und emotionale Stabilität nachhaltig wachsen können.
Claudia Edelmann im Interview
Was hat Sie dazu bewegt, die Mutsprungakademie zu gründen und Kinder auf ihrem Weg zu mehr Mut, Stärke und Selbstvertrauen zu begleiten?
Die Mutsprungakademie ist aus meiner eigenen Lebensgeschichte heraus entstanden. Nach vielen Jahren im Außendienst der Pharmaindustrie habe ich selbst erlebt, wie schnell man sich im Alltag verlieren kann – zwischen Funktionieren, Leistungsdruck und dem Wunsch, allen gerecht zu werden.
Gleichzeitig habe ich als Mutter von drei Kindern sehr nah mitbekommen, welchen Herausforderungen Kinder heute ausgesetzt sind. Durch meine enge Verbindung zu meinen Kindern, aber auch durch mein Engagement im schulischen Umfeld, habe ich miterlebt, wie viel Druck, Unsicherheit, Angst und auch Mobbing bereits in jungen Jahren präsent sind.
Das hat mich tief berührt und gleichzeitig wachgerüttelt. Ich wollte nicht länger nur zusehen, sondern Kindern einen Raum geben, in dem sie lernen dürfen, sich selbst zu vertrauen, ihre Gefühle besser zu verstehen und mit Herausforderungen gesünder umzugehen.
Der Begriff „Mutsprung“ ist sehr kraftvoll – was bedeutet es für Sie, den eigenen Sprung im Leben zu wagen?
Der Begriff „Mutsprung“ ist für mich deshalb so kraftvoll, weil er auch meine eigene Geschichte beschreibt. Vor einigen Jahren habe ich selbst einen großen Sprung gewagt: Ich habe Deutschland verlassen, bin mit meinen drei Kindern nach Österreich gegangen, habe mich aus einem alten Leben, einer unpassenden Beziehung und einem Umfeld gelöst, das nicht mehr zu mir gepasst hat, und bin noch einmal ganz neu gestartet.
Als alleinerziehende Mutter mit drei Kindern war das kein kleiner Schritt. Es bedeutete, vieles loszulassen, neu aufzubauen und trotz großer Unsicherheit weiterzugehen.
Genau darin liegt für mich Mut: nicht darauf zu warten, dass die Angst verschwindet, sondern sich trotz Angst für das Leben zu entscheiden, das sich wahr anfühlt.
Diesen Gedanken trage ich auch in meiner Arbeit weiter. Kinder und Erwachsene dürfen verstehen, dass Fehler erlaubt sind, dass Unsicherheit zum Wachstum dazugehört und dass in jedem neuen Schritt auch Entwicklung liegt.
Viele Kinder stehen heute vor Herausforderungen wie Ängsten, Konflikten oder Unsicherheiten – was erleben Sie in Ihrer Arbeit am häufigsten?
In meiner Arbeit mit Kindern erlebe ich immer wieder ähnliche Themen. Viele leiden unter Schulstress, Prüfungsangst und starkem Leistungsdruck. Hinzu kommen Konflikte untereinander, Ausgrenzung und Mobbing.
Oft bemerke ich auch, dass Kinder kaum noch lernen, mit ihren Gefühlen umzugehen. Sie wissen nicht, wie sie Wut, Traurigkeit, Angst oder Überforderung einordnen und regulieren können.
Das zeigt sich häufig nicht nur emotional, sondern auch körperlich – durch Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Schlafprobleme oder innere Unruhe.
Gleichzeitig fehlt vielen Kindern ein klarer, liebevoller Rahmen. Sie sind oft verunsichert darin, was Grenzen bedeuten, wie man sich selbst gesund behauptet und wie ein stabiles Selbstbewusstsein überhaupt aussieht.
Häufig wird gesundes Selbstbewusstsein missverstanden: Wenn Kinder sich ausdrücken, für sich einstehen oder klar auftreten, wird das schnell als „zu viel“ bewertet. Dadurch verlieren viele Kinder den natürlichen Zugang zu ihrer eigenen Kraft.
Genau hier setzt meine Arbeit an. Ich verbinde Resilienztraining, Achtsamkeit und Yoga, weil diese Ansätze sich auf wunderbare Weise ergänzen.
Resilienz bedeutet für mich weit mehr als nur „stark sein“. Es geht um Selbstwahrnehmung, Selbstregulation, Empathie, Respekt, gesunde Kommunikation, Eigenverantwortung und darum, mit Herausforderungen konstruktiv umzugehen.
Doch all das lässt sich nicht nur über den Kopf lernen. Kinder brauchen nicht nur Theorie, sie brauchen vor allem Erfahrung. Deshalb sind meine Trainings sehr spielerisch, lebendig und oft auch theatralisch aufgebaut.
Wir arbeiten mit Rollenspielen, mit Körperausdruck, mit Situationen aus dem Alltag, mit dem Erleben von Grenzen, Kommunikation und Gefühlen. Kinder dürfen spüren, wie es sich anfühlt, schüchtern oder stark aufzutreten, wie sich Unsicherheit im Körper zeigt und was sich verändert, wenn sie in ihre Kraft kommen.
Sie arbeiten mit einer Kombination aus Resilienztraining, Achtsamkeit und Yoga – wie ergänzen sich diese Ansätze in Ihrer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen?
Achtsamkeit und Yoga vertiefen genau dieses Erleben. Über den Körper und den Atem finden Kinder oft einen Zugang zu sich selbst, den Worte allein nicht schaffen. Sehr aktive Kinder lernen über Yoga und Achtsamkeit, zur Ruhe zu kommen und sich selbst besser zu regulieren.
Ruhige, eher zurückgezogene Kinder finden über Bewegung, Körperhaltung und bewusste Wahrnehmung oft mehr Ausdruck und Präsenz. Gleichzeitig ist Selbstfürsorge ein zentraler Bestandteil von Resilienz.
Pausen, Bewegung, bewusste Atmung, Stille und Entspannung sind keine Nebensächlichkeiten, sondern wichtige Grundlagen dafür, dass Kinder und Jugendliche innerlich stabil werden können.
Claudia Edelmann: Kinder in ihre innere Stärke begleiten
Wie gelingt es Ihnen, Kinder dabei zu unterstützen, ihre „Seelenstärke“ zu entdecken und ihr Potenzial im Alltag zu entfalten?
Wenn ich davon spreche, Kinder in ihre „Seelenstärke“ zu begleiten, dann meine ich damit, sie wieder mit dem zu verbinden, was längst in ihnen angelegt ist. Kinder tragen Mut, Klarheit, Kreativität und innere Kraft bereits in sich.
Meine Aufgabe ist es, ihnen einen Raum zu geben, in dem sie das wieder fühlen und erleben können. Das geschieht nicht durch Druck, sondern durch Verbindung, Präsenz, Augenhöhe und einen liebevollen Rahmen.
Kinder brauchen klare Grenzen, aber sie brauchen ebenso das Gefühl: Ich bin sicher. Ich darf hier sein. Ich werde gesehen. Ich werde ernst genommen.
Genau in diesem Zusammenspiel können sie beginnen, ihr Potenzial im Alltag zu entfalten.
Mit der Zeit wurde mir immer klarer, dass nachhaltige Veränderung nicht nur bei den Kindern selbst entsteht, sondern immer auch im Zusammenspiel mit ihrem Umfeld. Kinder lernen nicht in erster Linie durch das, was wir ihnen sagen, sondern durch das, was wir ihnen vorleben.
Deshalb umfasst meine Arbeit heute nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch Mamas und Frauen. Ich begleite Erwachsene dabei, wieder in ihre eigene Kraft zu kommen, sich bewusster wahrzunehmen, mit sich selbst achtsamer umzugehen und innere Stabilität zu entwickeln.
Denn wenn Erwachsene beginnen, sich selbst zu reflektieren und neue Wege zu gehen, dann wirkt sich das unmittelbar auf die Kinder aus. Für mich gehören diese beiden Ebenen untrennbar zusammen: Kinder zu stärken und gleichzeitig die Erwachsenen zu begleiten, die ihnen als Vorbilder dienen. Erst in dieser Verbindung kann echte und nachhaltige Veränderung entstehen.
Können Sie von einem besonderen Moment berichten, in dem ein Kind durch Ihre Begleitung mehr Mut, Leichtigkeit oder Selbstvertrauen gewonnen hat?
Ein ganz besonderer Moment aus meiner Arbeit war ein Kind, das einmal zu mir sagte: „Ich habe das Gefühl, ich bin immer schuld.“ Dieser Satz ist mir sehr nahegegangen.
In solchen Momenten geht es nicht zuerst darum, ein Problem zu lösen, sondern wirklich da zu sein. Präsenz, Zuhören, Dasein und eine echte Begegnung auf Augenhöhe können unglaublich viel verändern.
Dem Kind zu vermitteln: Du bist nicht falsch. Du bist nicht schuld. Du darfst sagen, was du fühlst. Du bist sicher. Oft sind es genau diese Momente, in denen Kinder wieder beginnen, sich zu öffnen, zu vertrauen und Leichtigkeit zurückzugewinnen.
Ich erlebe immer wieder, dass schon ein einziger Satz in echter Präsenz etwas in einem Kind verändern kann.
Denn Kinder spüren sehr genau, ob ein Erwachsener wirklich da ist. Wenn sie diese Sicherheit erleben, wachsen Mut und Selbstvertrauen oft ganz von selbst.
Über Claudia Edelmann:
Ich bin Gründerin der Mutsprungakademie, Resilienz-Coach sowie Achtsamkeits- und Life-Yoga-Trainerin. Ich begleite Kinder, Jugendliche, Mamas und Frauen dabei, wieder mehr Vertrauen in sich selbst zu entwickeln.
In meiner Arbeit verbinde ich Resilienztraining, Achtsamkeit, Yoga und Atemarbeit, um Räume zu schaffen, in denen Menschen sich sicher fühlen, wachsen und ihre innere Stärke wiederentdecken können.
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