WirtschaftAllgemein

Kommt es zu Reformen im Bereich des Online Glücksspiels in Österreich?

Ein bevorstehender politischer Konsens könnte die Online-Glücksspiellandschaft in Österreich bald grundlegend verändern. Die Gesetzgeber stehen gegenwärtig unter großem Druck, den Markt zu öffnen und sich dem Vorgehen der meisten europäischen Länder anzupassen. Die österreichische Vereinigung für Wetten und Glücksspiel (OVWG), die als Branchenverband die großen Anbieter wie Merkur, Bet365, Entain und LeoVegas vertritt, drängt bereits seit Jahren die jeweils regierenden Partien zu einer schnelleren und gegenwartskonformen Umsetzung.

Laut einem Bericht der OVWG ist das österreichische Monopolsystem in die Jahre gekommen und wirkt mit jeder neuen Legislaturperiode unzeitgemäßer. Da auch Finnland im Jahr 2027 auf kommerzielle Lizenzen umstellen wird, werden Österreich und Polen die einzigen beiden großen und wirtschaftsstarken Länder in der EU sein, die noch auf ein staatliches Monopol beim Glücksspiel setzen. Auch Warnungen werden von diesem Interessensverband ausgesprochen: Bleibt alles beim Alten, werden österreichische Spieler unweigerlich auch weiterhin auf ausländische Anbieter ausweichen, dem Staat entgehen bedeutende Steuereinnahmen, die in Zeiten hoher Budgetdefizite, wie sie gegenwärtig in Österreich herrschen, nicht zu vernachlässigen sind, und außerdem werden wünschenswerte Innovationen im Inland stagnieren. Im Moment befindet sich Österreichs Glücksspiel im selben Prozess des Wandels, der sich bereits in vielen anderen europäischen Ländern vor Jahren und Jahrzehnten vollzogen hat, wo fairer, transparenter und offener Wettbewerb seit dieser Zeit zum Standard geworden ist.

Die Notwendigkeit eines wettbewerbsfähigen Lizenzsystems

Laut diesem neu veröffentlichten Bericht würde eine Marktöffnung deutlich höhere Steuereinnahmen generieren. Laut dem OVWG könnte das Finanzministerium durch die Einführung eines ordnungsgemäßen Lizenzsystems bis 2031 1,4 Milliarden Euro an Steuereinnahmen erzielen – ein Vielfaches von jenem, das gegenwärtig aus den aktuellen Monopoleinnahmen generiert wird.

Neben diesem finanziellen Anreiz, der besonders beim österreichischen Finanzminister auf offene Ohren stößt, betont diese Interessensvertretung, dass ein echter Wettbewerb auch den Spielern zugutekommen wird, denn diese würden in den Genuss eines umfangreichen Spielerschutzsystems kommen, der Schwarzmarkt wäre eingedämmt und generell würde für mehr Transparenz im Glückspielbereich gesorgt werden.

Der Bericht führt außerdem aus, dass Unternehmen, die miteinander im Wettbewerb stehen und die an Lizenzvorgaben geknüpft sind, die bestehenden Vorgaben und Regeln genauer befolgen und im Sinne des Wettbewerbs auf innovativere Ideen setzen würden. Ein solides, gut reguliertes System würde große und vertrauenswürdige internationale Marken anziehen und gleichzeitig die Kontrolle für die lokalen Behörden und Regulierungsstellen ermöglichen. All diese Fakten erhöhen den Druck auf die Politik, die Reformen umzusetzen.

Die OVWG ist gegenwärtig zuversichtlich, dass die österreichische Bundesregierung eine Einigung erzielen wird, um das Monopol von Casinos Austria endgültig zu beenden, und um den heimischen und internationalen Online Casinos in Österreich endlich faire Wettbewerbsbedingungen zu ermöglichen, die auf gültigen und allgemein anerkannten Lizenzen beruhen.

Eine Vielzahl an Anbietern am österreichischen Markt

Eine Vielzahl an Anbietern am österreichischen Markt

Die Branche steht bereits in den Startlöchern, und das seit Jahren. Laut OVWG könnten bis zu 30 Anbieter direkt nach Erteilung der Lizenzen in den österreichischen Markt einsteigen. Ein Blick nach Deutschland und Dänemark genügt, um zu sehen, wie sich die Situation dort entwickelt hat: Nach der Lockerung der Regeln drängten zahlreiche Unternehmen auf den Markt, und die Steuereinnahmen stiegen, sofern die Lizenzbestimmungen nicht zu rigide vom Gesetzgeber ausgelegt wurden.

Der Verband fügte hinzu, dass selbst eine zunächst geringe Anzahl von bewilligten Glücksspiel-Lizenzen eine große Verbesserung des Status Quo wäre. Große Namen wie Tipico und Bwin, die die österreichische Sportwetten-Szene bereits bestens kennen, dürften wohl als Erste in den Markt einsteigen und sich so einen Vorsprung gegenüber Zuspätkommenden sichern. Glaubt man diesen Prophezeiungen und sind erst einmal alle rechtlichen Fragen zur Lizenzvergabe geklärt, so steht die österreichische Online Glücksspielbranche vor einem rapiden Wachstum und wird sich quasi über Nacht zu einem ernstzunehmenden Akteur in der heimischen Glücksspielindustrie entwickeln.

Was Österreich vom DACHL-Treffen 2025 mitgenommen hat

Österreich wird die Glücksspielregulierung nicht länger allein stemmen müssen, zumindest scheint es so. Österreichische Vertreter nutzten die jüngste Konferenz der DACHL-Regulierungsbehörden im deutschen Halle/Saale, die von der deutschen GGL ausgerichtet wurde, zu einem Informationsaustausch. In einem vollbesetzten Auditorium mit Regulierungsbehörden aus Deutschland, der Schweiz und Liechtenstein tauschten sich die einzelnen Teilnehmer darüber aus, wie ein sauberer und fairer Markt gewährleistet werden kann.

Zu den wichtigsten Gesprächsthemen zählten die Bekämpfung des illegalen Glücksspiels, die Eindämmung des Schwarzmarkts, die Ausweitung und die rechtlich konforme Anwendung von IP-Sperren und der Einsatz intelligenterer digitaler Tools zur Abschaltung illegaler Webseiten. Alle Beteiligten einigten sich darauf, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit auch zukünftig zu intensivieren und Listen von nicht lizenzierten Betreibern auszutauschen, um eine beschleunigte Sperrung in den betreffenden Regionen zu gewährleisten.

Mit seiner Teilnahme sendet Österreich ein klares Signal: Es will sich an europäischen Standards orientieren. Diese Art der Zusammenarbeit ist für ein Land, dass ein neues Lizensierungssystem einführen will, unerlässlich, um einen reibungslosen Übergang zu einem wettbewerbsfähigen Angebot zu gewährleisten.

Was blüht der österreichischen Glücksspielindustrie?

Die nächsten Wochen werden für die Zukunft der österreichischen Glücksspielindustrie entscheidend sein. Entweder folgt Österreich beispielsweise dem finnischen System und öffnet seinen Markt, oder es läuft Gefahr, als eines der letzten europäischen Länder an einem staatlichen Monopol festzuhalten. Der Druck, auch von Seiten des Fiskus, ist enorm.

Die OVWG beharrt auf ihren Analysen und verweist darauf, dass eine Marktöffnung höhere steuerliche Einnahmen und einen besseren Schutz für alle Marktteilnehmer bringen würde als dies im aktuellen Modell möglich ist. Mehr ausgestellte Lizenzen bedeuten klare Spielregeln für alle Beteiligten, höhere Steuereinnahmen und ein System, das sich an die europäischen Gegebenheiten annähert, anstatt Österreich als Insel der Seligen darzustellen.

Wenn sich die drei Regierungsparteien eine Umsetzung einigen, könnte Österreich bereits ab Mitte 2026 mit einem modernen System ähnlich dem des Vereinigten Königreichs oder Dänemarks starten – mit echtem Wettbewerb, angemessener Regulierung der Offshore-Anbieter und einem System, das sowohl für die Marktteilnehmer, die Spieler als auch für den Finanzminister funktioniert. Letztendlich bleibt die Frage: Wird Österreich endlich den Schritt nach vorn wagen oder werden einige Lobbyisten weiterhin das staatliche Monopol verteidigen, an das fast kein anderes europäisches Land mehr glaubt?

Wie ist deine Reaktion?

Aufregend
0
Interessant
0
Liebe es
0
Unsicher
0

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Next Article:

0 %