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Lisa-Maria Mair: Vertrauen und Unternehmenskultur als Erfolgsfaktor

Vertrauen, Respekt und klare Strukturen sind die Grundlage für eine erfolgreiche Unternehmenskultur. Lisa-Maria Mair begleitet Unternehmen dabei, Themen wie Compliance, Diversity und Hinweisgeber:innenschutz praxisnah und menschlich umzusetzen.

Dabei verbindet sie rechtliche Anforderungen mit einem klaren Fokus auf Kommunikation, Vertrauen und Prävention. Im Interview spricht Lisa-Maria Mair darüber, warum nachhaltiger Unternehmenserfolg immer bei den Menschen beginnt und wie Unternehmen von einer offenen und wertschätzenden Kultur profitieren können

Interview mit Lisa-Maria Mair

Lisa-Maria Mair Interview

Was hat Sie dazu bewegt, LMa² Consulting zu gründen und Unternehmen in den Bereichen Compliance, Diversity und Whistleblowing zu begleiten?

Die Idee, irgendwann eine eigene Unternehmensberatung zu gründen, ist bereits in meinem Studium entstanden. Ich studierte in Kanada und erstellte bereits meine Organisationsstruktur. Nach mehreren beruflichen Stationen in unterschiedlichen Unternehmen wurde diese Vision schließlich zur Realität.

Seit 2023 gibt es in Österreich das Hinweisgeber:innenschutzgesetz (HSchG). Dies verpflichtet Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitende eine interne Stelle zu ernennen, um Hinweise entgegennehmen zu können. Dazu braucht es ausgebildete Mitarbeitende und einen Meldekanal.

Mit Einführung dieses Gesetzes startete ich auch in die Selbstständigkeit. Im HSchG sind Meldethemen definiert. Wenn eine Person einen Verstoß zu einem dieser Themen meldet, besteht ein gewisser Schutz für diese hinweisgebende Person.

Welche Themen jedoch nicht enthalten sind, sind Themen hinsichtlich des Verhaltens am Arbeitsplatz. Darunter fällt Mobbing, (sexuelle) Belästigung oder andere diskriminierende Fälle. Schon früh häuften sich die Anfragen genau zu diesen Themen und ich nahm wahr, wie aktuell diese Themen leider immer noch sind.

Mein Beratungsansatz ist präventiv ausgerichtet.

Nehmen wir als Beispiel die Redewendung „Das Kind ist in den Brunnen gefallen“. Ich begleite Unternehmen im Vorfeld, dass es gar nicht erst so weit kommt, also, dass das Kind gar nicht erst in den Brunnen fällt. Sollte es dennoch passieren, wissen die verantwortlichen Personen, welche Schritte sie einleiten müssen, um das Kind schnell und sicher zu bergen.

Deswegen habe ich auch immer öfter Diversity-Themen mitaufgenommen. Denn: Wenn wir einen offenen Umgang miteinander fördern, können wir Vorfälle von Belästigung und Mobbing abfangen.

Hier gebe ich auch meine mehrjährige internationale Erfahrung weiter, welche mich selbst auch sehr geprägt hat. Vor allem im Bereich Antidiskriminierung müssen wir früh beginnen. Ich bin davon überzeugt, dass wenn wir bereits im Kindesalter einen empathischen und respektvollen Umgang miteinander lernen, dies uns im Berufsleben zugutekommt.

Ganz besonders freut es mich, dass ich im Herbst ein Seminar für Elemantorpädagog:innen zum Thema „Empathie leben – Diversity verstehen. Empathie als pädagogische Ressource“ abhalten darf.

Ihr Ansatz verbindet Themen wie Whistleblowing, Interkulturalität und Compliance mit einem starken Fokus auf Menschen – warum ist gerade diese Kombination für nachhaltigen Unternehmenserfolg so wichtig?

Ganz einfach: Weil wir Menschen Unternehmen gestalten. Ein Unternehmen kann die beste Compliance-Struktur und das modernste Hinweisgebersystem implementieren – wenn die menschliche Komponente fehlt, bleiben diese Instrumente oft wirkungslos.

Vertrauen entsteht nicht durch ein System allein, sondern durch den Umgang damit. Das beginnt bei scheinbaren Kleinigkeiten: zeitnahe Rückmeldungen an Hinweisgeber:innen, transparente Kommunikation über den Meldeprozess und eine Unternehmenskultur, in der Menschen wissen, dass ihre Anliegen ernst genommen werden.

In meiner Arbeit habe ich viele Gespräche mit Hinweisgeber:innen geführt. In den meisten Fällen war die eigentliche Meldung nur der letzte Schritt eines langen Entscheidungsprozesses. Menschen überlegen oft wochen- oder monatelang, ob sie einen Vorfall überhaupt ansprechen sollen. Deshalb braucht es Strukturen, die nicht nur rechtlich funktionieren, sondern auch Vertrauen schaffen.

Ganz wichtig: Menschen möchten gehört werden. Gerade im internationalen Kontext wird diese Aufgabe noch komplexer. Unterschiedliche kulturelle Hintergründe, Kommunikationsstile und Erwartungen beeinflussen maßgeblich, wie Menschen Konflikte wahrnehmen oder ob sie Missstände überhaupt melden. Deshalb gehören für mich Compliance, Interkulturalität und Diversity untrennbar zusammen.

Ich bin davon überzeugt, dass der Fokus auf die Menschen aktuell wichtiger ist, denn je.

Wir leben in einer digitalen Welt, die KI ist bereits fixer Bestandteil in vielen Unternehmen und Technologien entwickeln sich rasant weiter. Wir leben in einem Zeitalter, wo ich nur ein Foto und ein paar Wörter als Tonaufnahme von einer Person benötige, um ein eigenes Video davon zu erstellen – ohne dass es ersichtlich ist, dass es sich um gefälschtes Video handelt.

Oder ist es doch ersichtlich? Das hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, wie beispielsweise wie sehr wir unsere Sinne trainieren.

Vor einiger Zeit habe ich die KI gefragt, wer denn der Whistleblower des VW Dieselgate Skandals war. Als Antwort kam Franz Kafka, ausgeschmückt mit einem Text, der nachvollziehbar war, wenn man nicht wusste, wer Franz Kafka wirklich war. Und genau hier müssen wir ansetzen.

Ich bekomme es regelmäßig in Gesprächen mit, dass Personen „mal schnell die KI fragen“, wenn sie Informationen benötigen. Hier müssen wir unterscheiden: Holen wir uns Tipps wie wir ein Thema aufbereiten oder ein Teambuildingtag gestalten? Oder holen wir uns Informationen zu einem Thema, das uns noch völlig unbekannt ist? Letzteres birgt hohe Risiken, weil die Antworten nicht automatisch einem Faktencheck unterzogen werden.

Genau dieses Bewusstsein für den kritischen Umgang mit Informationen und neuen Technologien vermittle ich auch an einer österreichischen Business School.

In einem Seminar über Corporate Governance beschäftige ich mich mit etwa 30 internationale Studierenden mit Themen wie Whistleblowing und KI-Verordnung. Ich frage die Studierenden dann immer, ob wir alle die gleiche Antwort bekommen, wenn wir alle „Was ist Corporate Governance?“ in ChatGPT eingeben.

Am oben genannten Beispiel von Franz Kafka zeige ich den Studierenden dann, was passiert, wenn ich ihn fälschlich zum Whistleblower erkläre und trotz Gegenargumenten daran festhalte. In welcher Welt leben wir dann, wenn wir an falschen Aussagen unwissentlich festhalten?

Dies ist einerseits besorgniserregend, ich sehe hier aber auch großes Potential: Wir formen die aktuelle technologische Entwicklung mit.

Wir dürfen wieder mehr unsere Sinne trainieren und in die Eigenverantwortung gehen, selbst Fakten prüfen und sicherstellen, ob ein Video oder Text KI-generiert ist oder nicht. Das kann bereits im Alltag trainiert werden. Wie oft legen Sie bewusst Ihre technischen Geräte wie Smartphone oder Smartwatch bewusst zur Seite? Vielleicht ab jetzt regelmäßig?

Ein Schwerpunkt Ihrer Arbeit liegt auf dem Hinweisgeber:innenschutz und sensiblen internen Prozessen – worauf kommt es an, damit Unternehmen solche Themen professionell und vertrauensvoll umsetzen können?

Professioneller Hinweisgeber:innenschutz beginnt lange bevor die erste Meldung eingeht. Natürlich braucht es rechtssichere Prozesse, klare Zuständigkeiten und einen funktionierenden Meldekanal.

Genauso wichtig ist jedoch die Unternehmenskultur. Mitarbeitende müssen wissen, dass Hinweise ernst genommen werden und ihnen dadurch keine Nachteile entstehen.

Deshalb empfehle ich Unternehmen, Mitarbeitende aktiv in die Einführung und Weiterentwicklung solcher Prozesse einzubeziehen. Transparente Kommunikation und regelmäßige Sensibilisierung schaffen Vertrauen und senken Hemmschwellen.

Ebenso entscheidend ist die organisatorische Unabhängigkeit der Meldestelle. Ist diese ausschließlich bei der Geschäftsführung angesiedelt oder fehlt die notwendige Vertraulichkeit, wird das Vertrauen häufig leiden – und damit auch die Bereitschaft, Missstände zu melden. Ein funktionierendes Hinweisgebersystem lebt von Glaubwürdigkeit, nicht nur von der gesetzlichen Erfüllung der Vorgaben.

Lisa-Maria Mair: Praxisnahe Lösungen statt komplizierter Theorie

Lisa-Maria Mair Unternehmensberaterin und Gründerin

Sie legen großen Wert auf maßgeschneiderte und praxisnahe Lösungen – wie gelingt es Ihnen, komplexe rechtliche und organisatorische Themen verständlich und alltagstauglich zu vermitteln?

Für mich beginnt gute Beratung immer mit Zuhören.

Bevor ich Lösungen entwickle, möchte ich verstehen, wie ein Unternehmen arbeitet, welche Herausforderungen bestehen und welche Menschen die Prozesse später tatsächlich anwenden.

Ich arbeite bewusst mit konkreten Praxisbeispielen, Fallstudien und Alltagssituationen statt mit abstrakten Theorien. So werden auch komplexe Themen wie Compliance, Whistleblowing oder Antidiskriminierung greifbar und unmittelbar anwendbar.

Mein Ziel ist, dass Unternehmen nicht nur gesetzliche Anforderungen erfüllen, sondern Lösungen entwickeln, die langfristig funktionieren und von den Mitarbeitenden getragen werden.

Gibt es ein besonderes Erlebnis oder einen Erfolg aus Ihrer Arbeit, der Ihnen gezeigt hat, welchen Unterschied gute Compliance- und Unternehmenskultur für Menschen und Unternehmen machen können?

Ich sehe meine Rolle oft als Brückenbauerin.

Während meines internationalen Studiums in Kanada, Taiwan und Österreich nannten mich meine Mitstudierenden „kulturelles Chamäleon“.

Nicht, weil ich mich verstellt habe, sondern weil es mir leichtfiel, mich auf unterschiedliche Menschen, Kulturen und Kommunikationsstile einzustellen und rasch eine gemeinsame Gesprächsbasis zu schaffen. Diese Fähigkeit begleitet mich bis heute und hilft mir dabei, zwischen unterschiedlichen Perspektiven zu vermitteln und Vertrauen aufzubauen.

Vertrauen war auch schon lange vor meiner Tätigkeit als Beraterin ein wiederkehrendes Thema in meinem Leben. Bereits während meiner Schulzeit kamen Menschen mit sehr persönlichen und sensiblen Anliegen auf mich zu.

Das setzte sich später im Berufsleben fort – lange bevor ich diese Rolle offiziell ausübte. Rückblickend zeigt mir das, wie wichtig echtes Zuhören, Empathie und Verlässlichkeit sind. Oft brauchen Menschen zunächst jemanden, der ihnen aufmerksam zuhört und ihnen das Gefühl gibt, dass ihre Wahrnehmung ernst genommen wird.

Neben allen rechtlichen und wirtschaftlichen Vorteilen ist für mich deshalb eines das Wichtigste: Wenn Mitarbeitende sich sicher, respektiert und wertgeschätzt fühlen, profitieren alle.

Eine gute Compliance- und Unternehmenskultur schafft nicht nur Rechtssicherheit, sondern stärkt auch Vertrauen, Motivation und Zusammenarbeit. Genau dort entsteht aus meiner Sicht nachhaltiger Unternehmenserfolg.

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LinkedIn lisa-maria-mair

 

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